Radtour: Venn, Vechte, Feuchtwiesen

 
 

 
 
 

Mit 54 Kilometern Länge ist die Heideroute die Marathonstrecke unter den NaTourismus-Routen. Und sie hat noch eine Besonderheit: Sie wagt einen kurzen Abstecher nach Niedersachsen. Aber eine Heideroute ohne das Gildehauser Venn wäre einfach nicht vollständig. Und weil es zwischen den Grafschaften Bentheim und Steinfurt immer schon vielerlei Verquickungen gab, sollte auch einem eingefleischten Münsterländer der Grenzübertritt nicht allzu schwer fallen.

Gleich zu Beginn treten wir kurz hinter Ochtrup schon kräftig in die Pedale, denn es geht bergauf. Wenig später und etwas aus der Pust erreichen wir auch schon den höchsten Punkt unserer Tour. Hier bietet es sich an, eine Weile zu Fuß zu gehen. Denn der kürzeste Abstieg vom Rothenberg führt durch einen Hohlweg, den man sich am besten per Pedes erschließt. Die knorrigen Eichen an den Hängen zu beiden Seiten des Weges könnten sicher Zeugnis geben von den vielen Pferdefuhrwerken und Viehherden, die sich früher durch diese hohle Gasse gezwängt haben. Das starke Gefälle und die erodierende Wirkung des Wassers taten ihr Übriges, dass sich der Weg immer tiefer in den Untergrund eingeschnitten hat. Hohlwege sind im eher platten Münsterland seltene und somit umso erhaltenswertere Elemente der Kulturlandschaft. Deshalb ist es schade, dass der Weg heute asphaltiert ist und etwas von seinem ursprünglichen Charakter verloren hat.

Der Rothenberg ist - daher rührt wohl auch sein Name – überwiegend aus einem rötlichen Sandstein aufgebaut, der zu einem relativ nährstoffarmen Boden verwittert. Eine Besonderheit der Region sind Solen, die tief im Untergrund „schlummern“ und an einigen geologischen Störstellen dicht an die Oberfläche gelangen oder sogar austreten. Eine dieser Stellen ist die etwas abseits unserer Route gelegene Salzquelle Rothenberge, eine der wenigen Binnensalzstellen im Münsterland. Sie diente nachweislich schon im 14 Jahrhundert der Salzgewinnung und steht heute unter Naturschutz.

Für bessere Gewässer

Wir machen uns wieder auf den Weg und erreichen schon wenig später die Vechte. Bis 2027 sollen die Gewässer in einem ökologisch und chemisch guten Zustand sein. So zumindest sieht es die EU-Wasserrahmenrichtlinie vor. Seitdem tut sich im Münsterland einiges an Bächen und Flüssen. Denn Stauwehre und verbaute Ufer ohne Gehölzbewuchs sind bislang eher die Regel als die Ausnahme. Bei der Vechte ist das auf weiten Strecken nicht anders. Vorrangiges Ziel ist es, die Gewässer durchgängig zu machen. Deshalb werden wie hier Staustufen durch Sohlgleiten ersetzt, Die Maßnahmen werden zu 80 Prozent vom Land NRW gefördert. Die fehlenden 20 Prozent übernimmt im Kreis Steinfurt die Naturschutzstiftung.

Der Sohlabsturz der Vechte an der ehemaligen Mühle Hagenhoff ist seit dem Jahr 2013 wieder frei passierbar. 15 Stufen ersetzen seitdem treppchenweise den ehemals 1,40 Meter hohen Mühlenstau, der dafür sorgte, dass die 1961 abgebrannte Mühle immer genug Wasser zur Verfügung hatte, um das Korn der umliegenden Bauern zu Mehl zu verarbeiten.  

Auf Tauchstation im „Schnepfenpfuhl“

Weiter führt uns die Radtour auf den Spuren der Heide bis zum Naturschutzgebiet „Schnippenpohl“. Der kleine Heideweiher im Naturschutzgebiet „Schnippenpohl“ glänzt mit Raritäten wie Sumpf-Johanniskraut, Schnabel-Segge und Sumpf-Blutauge – Arten, die eher Sonnenanbeter als Schattenparker sind. Deshalb ist es von Zeit zu Zeit notwendig, vorrückende Gehölze wie Moorbirke und Faulbaum in die Schranken zu verweisen. So bleibt auch dem hier brütenden Zwergtaucher genug freie Wasserfläche, um auf Tauchstation zu gehen und Wasserinsekten und kleine Fische zu jagen.

Der „Schnepfenteich“ (snippe, sneppe = mittelniederdeutsch für Schnepfe und pôl = Pfuhl, Vertiefung, gefüllt mit Wasser) ist umgeben von extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden, die nach Vorgaben des Vertragsnaturschutzes bewirtschaftet werden, damit Kiebitz, Brachvogel und Schafstelzen ihre Jungen aufziehen können. Die Flächen können erst dann gemäht werden, wenn der Nachwuchs groß genug ist, um selbständig vor dem Balkenmäher flüchten zu können.

Feuchtwiese hier, Feuchtheide da

Im Anschluss führt uns unsere Radtour zum Naturschutzgebiet Harskamp. Dieses vermittelt einen Eindruck von den beiden Landschaftsbildern, die in der Brechte in der Vergangenheit vorherrschend waren. Östlich des Weges ist es die Heide mit eingestreuten Heideweihern und Vermoorungen, auf der anderen Seite sind es die Feuchtwiesen. Während die Wiesen durch eine extensive landwirtschaftliche Nutzung erhalten bleiben, kommt in der Heide auch schweres Gerät zum Einsatz, um Schafbeweidung und Plaggenstich als historische Nutzungsformen zu „imitieren“. Denn ohne Pflege überaltert die Heide und wird von Pfeifengras und aufkommenden Gehölzen verdrängt. So aber finden Sonnentau, Schnabelried, Rasenbinse und andere konkurrenzschwache Pflanzen ihre Nischen. An den Heideweihern „blubbern“ im Frühjahr die prächtig blau gefärbten Moorfrösche, während im Sommer hier die Mücken tanzen. Männliche Heidelibellen nehmen ihre Partnerin in die Zange und geleiten sie im „Tandemflug“ zur Wasseroberfläche, damit die Weibchen dort ihre Eier abstreifen.  Kurzum: die Heide lebt, und zwar vielfältiger, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Schätze im Untergrund

Wenig später kommen wir in der Brechte an. Mitte des 19. Jahrhunderts war man in der Brechte auf Eisensteinerze gestoßen. Die Aussicht auf industriellen Reichtum löste in der Region helle Begeisterung aus und ließ gar Pläne zum Bau einer Eisenbahnstrecke in die Brechte reifen. Eine letzte Probebohrung im „Eisensteinsloch“ Anfang des 20. Brachte die Ernüchterung: Das Eisenerz hatte einen zu hohen Phosphorgehalt und war zur Verhüttung nicht geeignet. Aus der Traum. Immerhin, später diente der einsam gelegene See den Ochtruper Jugendlichen als Badegelegenheit. Doch auch mit der Einsamkeit war es vorbei, als angrenzend Lehmgruben für Ziegeleien entstanden, die heute ebenfalls wassergefüllt sind und vor allem von Petri heil-Jüngern genutzt werden. 

Denn neben den Erzen schlummert noch ein weiterer Schatz im Brechter Untergrund. Es ist der Lehm, der den Rohstoff für das Töpferhandwerk lieferte, für das Ochtrup weit über seine Grenzen bekannt ist.  Möglicherweise stehen die Lehmvorkommen im Zusammenhang mit dem Flurnamen Brechte, denn um an den Lehm zu kommen, musste man den Boden umbrechen. Die „Pottbäcker“ hatten ihre Blütezeit im 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ihre Schüsseln, Töpfe, Krüge, Knabbelkümpkes und Nachtigallen waren ein Exportschlager, der die Kiepen füllte, mit denen die sogenannten „Kiepenkerle“ oder „Pottkerle“ auf ausgetretenen Pfaden, den „Pöttkerspättken“, von Dorf zu Dorf zogen. Um die Nutzungsrechte an dem Lehm kam es sogar zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Ochtrupern und Gildehäusern. Ausdruck soll diesem Zwist in einem lokalen Sprichwort verliehen worden sein: „Lieber den Himmel verloren, als die Brechte verloren.“

Textauszug aus den Broschüren zur Route, erhältlich z.B. bei der Biologischen Station Kreis Steinfurt e.V. (siehe unten).

Kurzportrait


Weitere Informationen

Biologische Station Kreis Steinfurt e.V.
Bahnhofstr. 71
49545 Tecklenburg
Tel.: 05482-9291-0
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