Radtour: Venn und Feuchtwiese

 
 

 
 
 

Durch Moore und feuchte Wiesen, vorbei an „Baggerseen“, entlang von Bächen und einem ehemaligen Kanal verläuft die 34 Kilometer lange Vennroute. Und das alles im „Dunstkreis“ einer Stadt mit immerhin 35 000 Einwohnern. Unterwegs begegnet man sogar „Wasserhuren“, dem „Grauten Kiesling“ und anderen merkwürdigen Gestalten...

Wir starten unsere Radtour in Emsdetten und halten uns nördlich, wo wir alsbald im Emsdettener Venn eintreffen. Vom eigentlichen Moor (= Venn) ist zunächst keine Spur im Emsdettener Venn. Wo einst karger Moorboden und feuchte Heide nur wenigen spezialisierten Pflanzen und Tieren Nahrung bot, sorgen heute grüne Wiesen und sogar – leider – Maisäcker für gute Ernten. Jahrhunderte lang wurde der Torf, das „braune Gold“,- früher ein wertvoller Rohstoff zum Heizen, heute immer noch häufig als Blumenerde genutzt – hier abgebaut.

Die wegen ihrer hohen Wasserspeicherkapazität einzigartigen Torfmoose, aus deren abgestorbenen Pflanzenteilen Torf hauptsächlich besteht, wachsen jedoch nur sehr langsam. Erst 1941, als bereits der Wasserhaushalt des Moores durch Entwässerungsgräben stark gestört und nur noch Reste des Moores vorhanden waren, wurde das Emsdettener Venn zum Naturschutzgebiet. Auf dem entwässerten Moor kommen nun immer wieder Gehölze auf, die zum Schutz der lichtliebenden und seltenen Moorbewohner regelmäßig entfernt werden müssen. So kann man bei einem Spaziergang durch das Moor auch heute noch Jungfern begegnen, die es nur im Venn gibt oder im Frühsommer die weißen Tupfen des Wollgrases bewundern. Und ob Rosmarinheide, Gagelstrauch, Sonnentau, Schwarzkehlchen oder Schillerfalter – die Liste seltener Tier- und Pflanzenarten ist lang.

Zweigeteilt und aus zweiter Hand

Als nächste Sehenswürdigkeit liegt der Grafensteiner See an unserer Radtour. Ein Wirtschaftsweg teilt den Grafensteiner See in zwei Teile. Der nördliche Teil mit den umgebenden Grünland- und Feuchtheideflächen ist seit 1991 Naturschutzgebiet. Ein typischer Lebensraum „aus zweiter Hand“, denn ihre Entstehung verdanken die ursprünglichen Baggerseen dem Ausbau der Bundesstraße 54 in den 1980er Jahren, bei dem viel Sand benötigt wurde. Eine Aussichtskanzel ermöglicht einen Blick über den See, auf dem neben Enten und Gänsen oft Kormorane und Haubentaucher bei ihrer Jagd nach Fischen zu beobachten sind. Zu den Zugzeiten machen auch nordische Blessgänse hier einen Zwischenstopp.

Vergleichsweise unscheinbar sind die pflanzlichen Kostbarkeiten, die besonders östlich des Sees ein Refugium haben, wo es ein kleinräumiges Mosaik von trockenen und feuchten Bereichen mit kleinen Tümpeln gibt. Hier wachsen Haferschmiele, Mittlerer Sonnentau und Moor-Bärlapp . Schafe und Hochlandrinder sorgen dafür, dass die konkurrenzschwachen und lichtliebenden Arten nicht dem Schattenwurf von Gehölzen ausgesetzt sind.

Messerscharf im Moor

Einmal kräftig in die Pedale getreten und schon stehen wir mit unserem Fahrrad im Anschluss im Borghorster Venn. Wer von den Bauern in der Umgebung ein Stück Land im Moor hatte, besaß das Recht, Torf im Borghorster Venn zu stechen. Einzelne Torfkuhlen erinnern an diese alte Nutzung, die den Bauern im Winter zwar eine warme Stube sicherte, dem Moor aber nach und nach die Grundlage entzog. Anders als im Emsdettener Venn blieb kein offener Hochmoorkern erhalten. Große Teile des Moores nehmen heute Birkenwälder ein, in denen das Pfeifengras dominiert, aber durchaus auch Platz für seltene Arten wie Fieberklee, Sumpffarn und Rauschbeere ist. Im Naturschutzgebiet wächst auch die Schneide, ein sehr seltenes Sauergras, das eigentlich in kalkreichen Sümpfen und Mooren vorkommt, was einen gewissen Kalkeinfluss im Untergrund des Venns vermuten lässt. Der Name Schneide ist übrigens Programm: Die starren Blätter sind so scharf gezähnt, dass man sich schnell blutige Finger holen kann. Die Verletzungsgefahr ist aber gering: Außerhalb des Borghorster Venns sucht man die Schneide im Steinfurter Land vergebens.

Das Venn ist von einem Grünlandgürtel umgeben, in dem auch Blänken eingestreut sind. Blänken sind flache, natürliche oder künstlich angelegte Senken, in denen bis zum Sommer, manchmal auch das ganze Jahr über, das „blanke“ Wasser steht. Wiesenvögel wie Kiebitz oder der Große Brachvogel, die im Boden nach Nahrung stochern, finden hier auch dann noch Nahrung, wenn während Trockenperioden die Erde trocken und hart ist. Im Sommer legen Libellen wie der Plattbauch oder die Glänzende Binsenjungfer ihre Eier in die Blänken, und in den Randbereichen wachsen Sumpfpflanzen wie Flammender Hahnenfuß und Sumpfbinse. 

Ziemlich nass – Feuchtwiesen am Max-Clemens-Kanal

Die „Wiesen am Max-Clemens-Kanal“ stehen zusammen mit dem Emsdettener Venn im Rang eines europäischen Schutzgebietes. Und sie erreichen wir als nächstes auf unserer Fahrradtour. Unsere beiden größten Schnepfenvögel, der Große Brachvogel und die Uferschnepfe, schreiten hier regelmäßig zur Brut. Vor allem die in puncto Wasser „anspruchsvolle“ Uferschnepfe, der bei der Nahrungssuche das Wasser auch gerne mal bis zum Bauch stehen kann, profitiert davon, dass die Wiesen lange überflutet sind. Das wiederum funktioniert nur, wenn die Flächen im öffentlichen Besitz und an Landwirte verpachtet sind, die um die damit verbundenen Bewirtschaftungseinschränkungen wissen.

Während das sichtbare Wasser vor allem vielen Tieren und Pflanzen zugute kommt, ist das unsichtbare Wasser für die Menschen unverzichtbar. Gemeint ist das Grundwasser, das hier an verschiedenen Stellen gefördert wird und die Trinkwasserversorgung in der Region sichert. Wir bewegen uns auf dem Münsterländer Kiessandzug, eine geologische Besonderheit, die sich rund einen Kilometer breit von den Beckumer Bergen bis zur Grafschaft Bentheim erstreckt und vor rund 200.000 Jahren während der Saale-Eiszeit entstand. Wie, darüber streiten sich die Gelehrten seit vielen Jahren. Klar ist, dass eine Rinne unter dem Eis durch das Schmelzwasser der Gletscher mit Sand und unterschiedlichsten Gesteinen aufgefüllt wurde und nach dem Rückzug der Eismassen als sanfte Erhebung zurückblieb. Die Mischung aus Sand und Kies ist hervorragend für die Trinkwassergewinnung geeignet, weil sie einerseits das Wasser filtert und es andererseits gut zu den Brunnen leitet. Fast der gesamte Kiessandzug ist daher heute Wasserschutzgebiet.

Wo schmutzige Wäsche gewaschen wurde...

Der Mühlenbach, auf den wir als Nächstes treffen, selbst wird durch den Zusammenfluss kleiner Bäche und Gräben gebildet, die am Buchenberg bei Steinfurt und auf dem Altenberger Höhenrücken entspringen. Weil er eine ansehnliche Wasserführung und ausreichend Gefälle besitzt, war er mühlenfähig, andererseits hat er sich tief genug eingegraben, um nicht bei jedem Starkregen über die Ufer zu treten. Solch günstige Bedingungen waren schon früh ein gewichtiges Argument, sich hier sesshaft zu machen. Entlang des Mühlenbachs stehen viele alte Hofstellen, die das Wasser zum Tränken der Tiere und zum Reinigen der Wäsche nutzten. Auf den Wiesen in der Mühlenbachaue breiteten die Frauen früher die Leinenwäsche aus, um sie in der Sonne zu bleichen. Der Straßen- und Flurname „An den Bleichen“ erinnert noch heute daran.

Am kurvenreichen Abschnitt nach dem Waldfreibad sind die Ufer des Mühlenbachs zwar befestigt, aber zusammen mit den Wiesen und Weiden in der Aue ist er eine wichtige „grüne Lunge“, die die Emsdettener Innenstadt mit dem Umland verbindet. Am Ufer haben sich stellenweise Hochstaudenfluren mit Wasserdost und Blutweiderich sowie schmale Röhrichte mit Rohrglanzgras, Igelkolben und Aufrechter Berle entwickelt, die von Prachtlibellen zum Sonnenbad genutzt werden.

In den angrenzenden Gebüschen rankt der Hopfen, ein nicht ganz unbedeutendes Gewächs für eine wohlverdiente Pause nach der Radtour.

Textauszug aus den Broschüren zur Route, erhältlich z.B. bei der Biologischen Station Kreis Steinfurt e.V. (siehe unten).

Kurzportrait


Weitere Informationen

Biologische Station Kreis Steinfurt e.V.
Bahnhofstr. 71
49545 Tecklenburg
Tel.: 05482-9291-0
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