Radtour: Kauzige Fische und meckernde Vögel

 
 

 
 
 

Bevor wir uns auf das Rad schwingen und die 42 Kilometer rund um Metelen auf der "Schnepfenroute" in Angriff nehmen, lohnt ein Rundgang durch den Ortskern. Zwar ist der Ort Schlusslicht im Kreis Steinfurt - zumindest was Flächengröße und Einwohnerzahl angeht. Jedoch kann die Gemeinde auf eine lange Geschichte zurückblicken.

Das ist jedoch erst der Anfang: Auf der Route erwarten uns kauzige Fische, meckernde Vögel, zwei Gesichter der Vechte, trockene Dinkelwiesen, auf denen kein Getreide wächst, eine neu entstehende Heide und verschiedenste Facetten eines EU-Vogelschutzgebietes.

Vechte ausgebaut

Als Erstes begegnen wir auf unserer Radtour der Vechte. Wann die Vechte zur Vechte wird, ist nicht ganz eindeutig. Mal wird der Rockeler Mühlenbach, mal die Darfelder Vechte als Quellgewässer angegeben. Nach einer anderen Version geht es erst los im Schöppinger Ortsteil Eggerode, wo der Rockeler und der Burloer Bach zusammenfließen und fortan die Vechte bilden. Mit 180 Kilometer Länge ist die Vechte nach der Ems der stattlichste Fluss im Steinfurter Land. 107 Kilometer fließt die Vechte durch deutsche Lande.

Die Vechte ist ab Metelen zwischen 1952 und Anfang der 1970er Jahre ausgebaut worden. Der ehemals dynamische Fluss mit Uferabbrüchen, Auskolkungen und Ufergehölzen verwandelte sich in einen kanalähnlichen Wasserlauf mit einer eintönigen Linienführung, an der dank einer Steinschüttung am Böschungsfuß nicht mehr zu rütteln ist. Begründet wurde der Ausbau mit der Hochwassergefahr. Die ist aber immer noch nicht komplett gebannt, wie die Metelener im August 2010 leidvoll erfahren mussten, als die Vechte nach einem fast zweitägigen Dauerregen über die Ufer trat.

Metelener Heide

Unsere Radtour führt uns weiter bis zur Metelner Heide. In einem kleinen Bereich inmitten der Kiefernwälder rückte Anfang 2015 der Bagger an, um Brombeeren und andere Gehölze zu beseitigen und zugleich den humosen Oberboden abzuschieben. Zum Vorschein kam bleicher Sand. In dem schlummert einiges, was nur darauf wartet, seinen Dornröschenschlaf zu beenden. Gemeint sind die Samen von Besenheide, Blutwurz und anderen Heidepflanzen, die lange im Boden überdauern und auf bessere Zeiten warten können. Geduld ist aber dennoch gefragt. Und vor allem auch Handarbeit. Denn die Fläche muss permanent von Brombeeren und Kiefernnachwuchs freigehalten werden, damit die „Sonnenanbeter“, und solche sind Heidepflanzen nun einmal,  von unerwünschter Konkurrenz verschont bleiben. 

Vechte in schön

Wir setzen unsere Radtour fort und erreichen nach einigen Kilometern noch einal die Vechte, die hier ganz anders aussieht als zu Beginn unserer Tour: kurvenreich, klar, mit Uferabbrüchen und Auskolkungen, und mit einem Wald drum herum. All das hat die Vechte hier zu bieten. Und deshalb hat sie sich den Rang eines europäischen Schutzgebietes auf diesem Abschnitt redlich verdient. In solch einem Bach fühlen sich auch Fische wohl, die sauerstoffreiches und relativ kühles Wasser schätzen. Die Groppe beispielsweise. Oder auch die Bachforelle. 

NSG Dinkelwiesen

Nun treten wir kräftig in die Pedale, denn bis zum Naturschutzgebiet Dinkelwiesen. das als Nächstes auf dem Programm steht, ist es noch ein Stück. Bei dem 89 Kilometer langen Nebenfluss der Vechte wird versucht, Fehler der Vergangenheit teilweise wieder rückgängig zu machen. Denn auch die Dinkel hat man in eine Zwangsjacke gesteckt, aus der sie sich selbst kaum noch befreien kann. Aber die Europäische Wasserrahmenlinie verlangt natürlichere Gewässer. Und so sollen Uferrandstreifen, Aufweitungen des Flussbetts und andere Maßnahmen der Dinkel wieder mehr Naturnähe verschaffen. Ob die Uferschnepfen, die früher zahlreich im Naturschutzgebiet Dinkelwiesen brüteten, davon profitieren werden, ist fraglich. Zu trocken ist mittlerweile die Aue, weil die Dinkel sich nach ihrer Begradigung stark eingetieft hat. Der noch Anfang der 1980er Jahre ausgebaute Donaugraben, entlang dem unsere Route verläuft, trägt seinen Teil dazu bei, indem er den Wiesen und Weiden das Wasser entzieht und der Dinkel „zum Abtransport“ zuführt. 

Die Dinkel trieb auch die fürstbischöfliche Kornwassermühle in Nienborg an, die lange Zeit eine der bedeutendsten Mühlen der Region war. Sie ist eines der erhaltenen historischen Gebäude von Nienborg, dessen Geschichte 1198 mit dem Bau „castrum novum“, einer Landesburg des münsterischen Bischofs Hermann II. von Katzenelnbogen, beginnt. Offenbar begünstigte die geschützte Lage an der sumpfigen Dinkelniederung die Wahl des Standortes für die „neue Burg“, die namengebend für Nienborg wurde.  Zu den schmucken Gebäuden, die die Burgmänner hinterlassen haben, gehören das Lange Haus, das Hohe Haus und die Keppelborg.

NSG Füchte Kallenbeck

Wenig später erreichen wir das nächste Naturschutzgebiet "Füchte Kallenbeck": Das Naturschutzgebiet Füchte Kallenbeck ist das Borkener Pendant zum Naturschutzgebiet Strönfeld auf Steinfurter Seite. Beide sind Teile des Natura 2000 – Gebietes „Feuchtwiesen im nördlichen Münsterland“, zu dem auch das Feuchtgebiet Saerbeck und das Emsdettener Venn gehören. Wer denkt: Kenn‘ ich eins, kenn‘ ich alle – der täuscht sich gewaltig. Die Besonderheit in Füchte Kallenbeck: Im Gegensatz zu den meisten Feuchtwiesengebieten herrscht hier viel Klein-Klein. Die Wiesen und Weiden haben eine überschaubare Größe und sind häufig von Feldgehölzen und Wallhecken mit alten Eichen und umzingelt. Über so ein engmaschiges Netz freuen sich Buschbrüter wie Neuntöter und Dorngrasmücke, aber auch der Pirol. Wiesenbrüter wie Uferschnepfe, Kiebitz oder der Große Brachvogel haben es lieber etwas weiträumiger. Als Bodenbrüter wissen sie gerne frühzeitig, was auf sie zukommt. Denn Fuchs, Hermelin und Co. sind scharf auf Eier und Küken als willkommene Abwechslung ihres Speiseplans.

NSG Strönfeld

Letzte Station unserer Radtour durch den Lebensraum der Schnepfe ist das Naturschutzgebiet Strönfeld, wor die Schnepfe allerdings inzwischen nicht mehr zuhause ist. Die Hecken und Baumreihen sind hier sehr spärlich und konzentrieren sich vor allem an den Wirtschaftswegen. Die Offenheit des 240 Hektar großen Naturschutzgebietes kommt den Schnepfenvögeln entgegen. Kein Wunder, denn viele von ihnen haben ihren Verbreitungsschwerpunkt in der baumlosen nordischen Tundra. Arten wie Grünschenkel, Zwergstrandläufer oder Kampfläufer nutzen Feuchtgebiete wie das Strönfeld deshalb nur als Zwischenstopp auf ihrem Zug in die Brutgebiete. Anderen reicht bereits das, was ihnen hier geboten wird. 25 Paare des Großen Bachvogels brüten hier, bei den Uferschnepfen sind es deutlich weniger. 

Textauszug aus den Broschüren zur Route, erhältlich z.B. bei der Biologischen Station Kreis Steinfurt e.V. (siehe unten).

Kurzportrait


Weitere Informationen

Biologische Station Kreis Steinfurt e.V.
Bahnhofstr. 71
49545 Tecklenburg
Tel.: 05482-9291-0
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