Radtour: Bärlauch, Bagno, Burgmannshöfe

 
 

 
 
 

Auf und ab geht es auf der rund 35 Kilometer langen NaTourismus-Route rund um Steinfurt, Laer und Horstmar. Mal zwingt der Schöppinger Berg den Radler aus dem Sattel, mal ist es bretteben, wenn es über die RadBahn, die ehemalige Bahntrasse zwischen Coesfeld und Rheine, geht.

Horstmar ist ein guter Startpunkt für die Tour. Der schmucke Ort kann ein echtes Alleinstellungsmerkmal im Münsterland vorweisen und trägt dies auch stolz und höchst offiziell im Namen: Horstmar – Stadt der Burgmannshöfe. Gleich vier Stück – von ehemals acht –  gibt es davon heute noch zu bewundern, strategisch verteilt nahe der  ehemaligen Stadtmauer, die Horstmar umschloss. Einst wohnten hier die  Burgmannen, die den Edelherren von Horstmar den Treueeid geschworen hatten. Der optisch vielleicht auffallendste der Horstmarer Burgmannshöfe ist der Mervelder Hof. Sein Seitenflügel hat die typische „Specklage“: Roter Backstein und heller Baumberger Sandstein wechseln sich ab, so wie Fleisch- und Fettschichten beim Schweinebauch.

Die Tour startet an einem weiteren Burgmannshof, dem Sendenhof. Stilvoll geht es durch das letzte erhaltene Stadttor und eine prächtige Lindenallee bietet einen guten Vorgeschmack auf die weitere Route...

Herrschaftlicher Wald

Von Horstmar kommend halten wir uns nördlich und erreichen schon bald das Herrenholz. Dass sich einige alte Wälder wie auch das Herrenholz schon lange Zeit im adeligen Besitz befinden, ist für die Natur nicht immer von Nachteil. Denn die Jagd war in der Vergangenheit ein beliebtes Freizeitvergnügen des Adels. Damit den Jagdgesellschaften genug vor die Flinte kam, blieben ihre liebsten Waldreviere vor übermäßigen Holzeinschlag oder Vieheintrieb verschont. Das Herrenholz ist daher ein alter Wald, erkennbar auch am Unterwuchs.

Mit Einbeere, Sanikel oder Waldmeister wachsen hier viele Pflanzen, die Zeiger für alte Waldstandorte sind, weil sie sich nur sehr langsam ausbreiten. Auch Orchideen wie die Vogel-Nestwurz und die Waldhyazinthe unterstreichen dies. Das Herrenholz ist wegen seiner naturnahen Waldmeister-Buchenwälder Teil des europäischen Schutzgebietes „Herrenholz und Schöppinger Berg“. Beherrschende Baumart ist von Natur aus die Buche, die den Wald im Sommer in tiefen Schatten hüllt. Frühjahrsblüher wie Buschwindröschen, Schlüsselblume und Scharbockskraut nutzen deshalb die Zeit vor dem Laubaustrieb, um zu blühen.

Das Herrenholz ist aber auch ein Wald für die Nase – zumindest im Frühjahr. Dann verströmt der Bärlauch seinen intensiven Knoblauchduft. Er wächst stellenweise in großen Mengen im Herrenholz und überzieht im April und Mai den Waldboden mit einem weißen Blütenmeer.

Schöppinger Berg

Etwas anstrengender wird es auf den kommenden Metern für uns, denn nun radeln wir auf den Schöppinger Berg zu. Wer Flächen auf dem Schöppinger Berg besitzt, ist in zweifacher Hinsicht ein Gewinner. Zum einen sind die Böden hier fruchtbar und gut bearbeitbar, weil ihnen die im Münsterland sonst verbreitete Staunässe fehlt. Dies haben auch unsere Vorfahren früh erkannt und den Schöppinger Berg so intensiv unter den Pflug genommen, dass kaum Platz blieb für Hecken und andere Gehölze.

Zum anderen ist der Schöppinger Berg aufgrund seiner exponierten Lage besonders „windhöffig“,wie es in der Fachsprache heißt. Hier bläst im Jahresdurchschnitt eine so kräftige Brise wie sonst nirgendwo im Steinfurter Land. Deshalb verwundert es nicht, dass auf dem Schöppinger Berg einer der ersten großen Windparks im Münsterland entstand. Heute drehen sich hier über 30 Windräder, die Betreibern und Grundbesitzern gute Erträge sichern. Geologisch gesehen ist der Schöppinger Berg ein Kreideplateau aus der Oberkreide mit Schichten, die am Grund des Kreidemeeres abgelagert wurden, das vormehr als 70 Millionen Jahren die Westfälische Bucht bedeckte. Die anstehenden Kalksteine sind klüftig und gut wasserdurchlässig. Wo das versickernde Wasser bleibt? Wir werden es schon bald erfahren…

Ein Bach und zwei Mühlen

Nach dem Berg wartet ein Fluss auf unserer Radtour schon auf uns. Aus mehreren Nischen im Kalkstein tritt das Wasser, das sich auf einer wasserstauenden Schicht unter dem Schöppinger Berg gesammelt hat, hier in der Leerbachquelle wieder zu Tage. Beachtliche 25 bis 100 Liter Wasser pro Sekunde sprudeln je nach Witterung und Jahreszeit in den von Buchen gesäumten Quelltopf. Dabei endet der Lauf des Leerbachs nach etwas mehr als sechs Kilometern schon wieder in der Steinfurter Aa. Bei der wesentlich längeren Ruhr, zum Beispiel, hingegen tröpfelt weniger als ein Liter pro Sekunde aus dem Erdreich.

Das Quellwasser des Leerbachs ist kristall klar und bietet sich mit konstanten kühlen Temperaturen um die 10 Grad für eine Erfrischung geradezu an, aber der Zaun, der den empfindlichen Quellbereich schützt, sollte Hinweis genug sein, dies nicht zu tun.

Nur wenige hundert Meter darf das Wasser vor sich hin plätschern, dann wird es auch schon gefordert: In Wennings Mühle treibt der Leerbach eine Kornmühle an, und das nachweislich schon seit Mitte des 16. Jahrhunderts, vermutlich aber noch deutlich länger. Dank der Initiative des Mühlen- und Heimatvereins Laer präsentieren sich das Mühlengebäude und der angrenzende Müllerkotten heute wieder in einem ansehnlichen Zustand. Und seitdem 2010 ein neues, oberschlächtiges Wasserrad installiert wurde, kann die Mühle sogar wieder mahlen.

Bagno: Park? Natur? Beides!

Mit dem Rad erreichen wir als nächstes das Bagno und sind um diese Idylle zu beneiden. Doch das war nicht immer so. Wer im 18. Jahrhundert in Italien oder Frankreich in einem Bagno landete war nicht zu beneiden. Es war eine Art Zuchthaus, in dem Verurteilte unter menschenunwürdigen Bedingungen Zwangsarbeit leisten mussten. Das Steinfurter Bagno ist natürlich alles andere als ein Knast. Aber auch viel mehr als ein Badesalon – was die eigentliche Bedeutung für das italienische Wort bagno ist. Das ursprünglich als Park in französischen Stil angelegte Gelände mit künstlich angelegtem See und ehemals zahlreichen Gebäuden wurde zunehmend von der Natur zurückerobert. Lediglich die Konzertgalerie, 1774 erbaut und damit das älteste freistehende Konzerthaus auf dem europäischen Kontinent blieb vom Abriss verschont.

Heute ist das europäische Schutzgebiet Bagno und Steinfurter Aa gleichermaßen für den Naturschutz als auch für die Naherholung von Bedeutung und durch Wanderwege sehr gut erschlossen. Eine künstliche Ruine, die auf einer der drei Inseln innerhalb des Bagnosees errichtet wurde, ist eines der bedeutendsten Überwinterungsquartiere für Fledermäuse im nordwestdeutschen Raum. Zu den 13 nachgewiesenen Fledermausarten im Gebiet gehört die in NRW fast verschwundene Mopsfledermaus sowie andere bedrohte Arten wie das Große Mausohr. Seit wenigen Jahren brütet ein Vogel auf der Insel, der derzeit im Münsterland und auch andernorts ein Comeback feiert: der Uhu.

Steinfurter Aa: Schutzwürdig trotz Schwächen

Nach dem Bagno gelangen wir an die Steinfurter Aa. Wie viele andere Bäche im Münsterland hat die Steinfurter Aa, die in den Baumbergen entspringt, eine stark schwankende Wasserführung. Früher sorgte das Flüsschen immer wieder für Überschwemmungen, weshalb die Aa hier stark begradigt ist und sich als Folge des Ausbaus tief eingegraben hat. Stauwehre und Sohlschwellen bremsen den Abfluss des Wassers und sorgen in trockenen Sommern dafür, dass überhaupt noch Wasser im Bachbett ist. Gleichzeitig verhindern sie die Durchgängigkeit des Gewässers. Trotzdem ist die Steinfurter Aa ein Schutzgebiet von europäischem Rang. „Schuld“ daran ist ein ebenso unscheinbarer wie gefährdeter Fisch, der Steinbeißer.

Die Aue der Steinfurter Aa wird heute fast ausschließlich ackerbaulich genutzt. Mais und Weizen herrschen vor. Im Frühjahr versuchen einige Kiebitzpaare, ihre Jungen groß zu ziehen, was ihnen aber oft misslingt, weil viele Nester der Flächenbearbeitung oder Räubern wie Fuchs und Wiesel zum Opfer fallen. Selbst ein „Räuber“ ist die seltene Rohrweihe, die hier gelegentlich brütet und auch die Küken anderer Vögel nicht verschmäht. Sie ist eigentlich eine Art der Feuchtgebiete, nimmt zur Not aber auch mit einem Getreidefeld vorlieb.

Textauszug aus den Broschüren zur Route, erhältlich z.B. bei der Biologischen Station Kreis Steinfurt e.V. (siehe unten).

Kurzportrait


Weitere Informationen

Biologische Station Kreis Steinfurt e.V.
Bahnhofstr. 71
49545 Tecklenburg
Tel.: 05482-9291-0
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