Von Gutshaus zu Gutshaus und durch die Davert

 
 

 
 
 

Mit diesem Wander-Tipp des Westfälischen Heimatbundes in der Tasche gehen der Wanderer oder die Familie in das Naturschutzgebiet Davert zwischen Rinkerode (Drensteinfurt, Kreis Warendorf) und Davensberg (Ascheberg, Kreis Coesfeld). Gewandert wird auf einer Länge von knapp zehn Kilometern zuerst auf dem Hauptwanderweg X 3, später auf dem X 14. Zu sehen gibt es dabei eine ganze Menge, auch für die jüngeren Wanderer. Es lohnt sich.

Davert
Auf viel Natur in der Davert, aber auch auf imposante Herrenhäuse können wir uns bei dieser Wanderung freuen. Foto: Timo Meusel

Ein kleiner Haken, den wir aber locker umschiffen: Die Rückfahrt von Davensberg zum Startpunkt Rinkerode würde eine Stunde und acht Minuten dauern, denn sie führt per Bahn über den Hauptbahnhof Münster (dort umsteigen nach 43 Minuten Wartezeit). Eine Rückfahrt mit dem Linienbus ist am Wochenende gar nicht möglich, an Werktagen dauert sie mit vier Umsteigepunkten vier Stunden und 25 Minuten, für lächerliche zehn Kilometer. Kein Witz. Unsere freundliche Empfehlung daher: Sie starten ganz elegant am Hauptbahnhof Münster, fahren mit dem Zug nach Rinkerode (neun Minuten), wandern und fahren ab Davensberg zurück (16 Minuten). Geht auch.

Durch die Davert

Weg
Breite und gut begehbare Wege erwarten uns auf dieser Wanderung in der Davert.

Bevor wir loswandern, sollten wir uns erst einmal das 2500 Hektar große Naturschutzgebiet Davert vor Augen halten. Die Davert ist kein geschlossenes Waldgebiet, sondern immer wieder mit der münsterländischen Parklandschaft aus Hecken, Wiesen und Feldern verzahnt. Typisch für unsere schöne Gegend. 1841 wurde die Davert unter verschiedenen Interessenten rechtskräftig aufgeteilt. Es begann die systematische Erschließung durch Wege und Entwässerungsgraben. Es wurde auch kräftig aufgeforstet, mit Heideflächen. Die allerdings heute fast völlig verschwunden sind.

Wir können die planmäßige Anlage der Wege förmlich spüren. Meist sind sie relativ breit und haben einen geraden Verlauf. Schwere Nutzfahrzeuge haben an einigen Stellen tiefe Spuren hinterlassen, die oft mit Wasser gefüllt sind. Für uns beschwerlich, für die Fauna einfach klasse. Das freut Tierarten wie zum Beispiel den Bergmolch, der solche Gewässer zur Laichablage nutzt. Bodenverdichtung und hoher Lichteinfall begünstigen zudem zwei Springkräuter: das aus Nordamerika stammende Kleinblütige Springkraut und das einheimische Große Springkraut, dessen deutlich größere gelbe Blüten fast in der Luft zu schweben scheinen. Das nur mal so am Rande als Tipp für den Sommer.

Dann auch finden wir im Totholz der Eichen den Mittelspecht und andere Höhlenbrüter wie den Trauerschnäpper und die Hohltaube. Und auch Fledermäuse. Acht Arten sind bislang in der Davert nachgewiesen worden. Und wer genau hinschaut, kann durchaus auch Spuren von Fuchs und Dachs entdecken, oder die aufgewühlte Erde von Wildschweinen.

Nach Rinkerode

Haus Bisping
Von dem ehemaligen Wasserschloss, das nur 500 Meter südöstlich des Hauses Borg liegt, sind nur noch Teile der Umgräftung und das Torhaus aus dem Jahre 1651 erhalten. Foto: Agnes Schulte (www.agnes-welt.de)

Zurück zu unserer Wanderung. Wir starten also in Rinkerode, haben wir gesagt. Der Hauptwanderweg X 3 des Westfälischen Heimatbundes führt direkt am Bahnhof vorbei Richtung Dorfkern. Bis zum Ende 1974 selbstständig, ist Rinkerode heute ein Stadtteil von Drensteinfurt mit 3600 Einwohnern. Es ist müßig aufzuzählen, wie oft Rinkerode schon beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ abgesahnt hat. Im Jahr 2000 gewann Rinkerode sogar die Goldmedaille im Landeswettbewerb, 1997 war es Silber. Respekt, Respekt.

Wir verlassen das Dorf und stoßen alsbald auf das Wasserschloss Haus Bisping. Unschwer lässt sich erahnen, wie schön die komplette Anlage damals gewesen sein muss. Heute sind nur noch Teile der Gräfte und das Torhaus aus dem Jahre 1651 erhalten. Das Torhaus sieht aus wie viele andere prachtvolle Bauten im Münsterland. Es ist aus rotem Ziegelstein und hat gelbe Sandsteinleibungen an den Fenstern. Die Familie von Galen war seit dem 16. Jahrhundert dort der „Schlossherr“. Christoph Bernhard von Galen, bekannt als Münsteraner Fürstbischof, wurde am 12. Oktober 1606 dort geboren.

Vorbei an Haus Borg

Haus Borg in Drensteinfurt
Haus Borg in Drensteinfurt setzt sich aus einer Dreiinsellage zusammen, die aus einer sogenannten Vorburg, einer Hauptburg und einem Garten besteht. Foto: Agnes Schulte (www.agnes-welt.de)

Kaum sind wir ein paar Schritte weitergekommen, liegt auch schon das Rittergut Haus Borg vor uns. Vorab: Betreten ist auch hier nicht erwünscht. Aber man sieht auch so schon einiges: repräsentative Zufahrten und Alleen und natürlich die Dreiinsellage mit der Vorburg, der Hauptburg und einem Barockgarten. Das schlichte Herrenhaus auf der Hauptinsel stammt in seinen Anfängen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Eine nach Westen ausgerichtete Erweiterung entstand am Ende des 16. Jahrhunderts. Im frühen 18. Jahrhundert wurde kräftig weitergewerkelt. Es sollte eine Dreiflügelanlage entstehen, was allerdings nur im Ansatz geschah. Lediglich der östliche Seitenflügel wurde 1719 gebaut. Zur Hauptinsel gehört, wie schön, auch ein Brauhaus.

Schade, dass uns der Blick ins Innere verwehrt bleibt, könnten wir doch die Stuckarbeiten von Antonio Rizzi sehen, der sich als Stukkateur auch am Schloss Nordkirchen verewigt hat. In den vergangenen Jahren wurde mit erheblichem Aufwand eine Renovierung des Hauses Borg vorangetrieben. Neben der Bausubstanz wurden vor allem die Umgräftung und der Zufahrtsweg zur Bundesstraße erneuert. Eine Wiederherstellung des im Norden liegenden Barockgartens ist geplant.

Im Herzen der Davert

Davert
Wir durchwandern das Herz der Davert. Foto: Stefan Herringslack

Jetzt können wir uns aber richtig warmlaufen. Wir folgen dem X 3, zu dem sich nach etwa zwei Kilometern der von rechts kommende X 14 gesellt. Wir sind mitten in der Davert. Abschnittweise wird es sandig unter den Sohlen. An einigen Stellen sind die Wege mit Bauschutt befestigt worden, was in einem Naturschutzgebiet nicht das Mittel der Wahl sein sollte. Die Ausweisung als Naturschutzgebiet liegt übrigens noch gar nicht so lange zurück und erfolgte im Zusammenhang mit der Meldung der Davert als FFH-Gebiet.

Nach weiteren zwei Kilometern knicken die beiden parallellaufenden Wege X 14 und X 3 nach rechts ab, kurz darauf biegt der Hauptwanderweg X 14 nach links ab und wir biegen mit. Der bislang genutzte X 3 verläuft geradeaus, aber ohne uns. Wir genießen noch zwei Kilometer die Natur und sind dann auch schon in Davensberg angekommen. Direkt am Bahnhof. Wir könnten jetzt auf den Zug warten, der uns bequem nach Münster zurückkutschiert.

Wir könnten aber – da wir ja gerade mal hier sind – einen Abstecher ins Golddorf von 1985 machen und uns noch ein wenig umsehen. In dem 1900 Personen zählenden Dörfchen, kleinster Ortsteil von Ascheberg, steht ein Rundturm. Erbaut 1530, war er Teil der Ritterburg Davensberg, die ab 1750 verfiel. In der oberen Etage befindet sich ein Kaminzimmer, darunter ein Gefängnis und ganz unten ein Verlies. Im Turm ist heute ein Museum, das von dem rührigen Heimatverein Davensberg betrieben wird. Der Ausstellungsschwerpunkt liegt auf alten bäuerlichen Kulturgeräten.

Haus Byink und Haus Romberg

Haus Byink in Ascheberg
Haus Byink in Ascheberg, die ehemalige Wasserburg gehört zum Typus der Zweiinselanlagen. Foto: www.wehrbauten.de

Am südlichen Rand des Ortskerns direkt am X 14 liegt Haus Byink – das 1558 von Heinrich von Ascheberg als westfälisches Bauernhaus im Renaissance-Stil erbaut wurde. Die Giebel sind geziert mit Halbkreisaufsätzen, die Giebelwände zeigen figürliche Verzierungen mit bunten glasierten Ziegeln: Bewaffnete Männer, Rautenmuster und Jahreszahlen.

Auffällig ist das mächtige Torhaus von 1561 in zweigeschossiger Bauweise: Es weist zwei halbrunde turmartige Vorbauten auf. Der gesamte Bau ist aus Ziegelmosaik, verziert mit ein paar ballspielenden Landsknechten. Die Eigentümerin Freifrau Ida von Elberfeld, genannt von Beverförde-Werries, von der Loburg Ostbevern kommend, zog 1984 in das restaurierte Torhaus.

Und wenn wir dem X 14 noch weiter folgen, kommen wir alsbald zum mächtigen Haus Romberg. Doch das ist ein anderes Kapitel, führt zu weit und könnte in einem weiteren Wander-Tipp beschrieben werden.

 
 

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Weitere Informationen

Westfälischer Heimatbund
Kaiser-Wilhelm-Ring 3
48145 Münster
Tel.: 0251 20381015