Das Vennmütterchen von Emsdetten

 
 

 
 
 

Das Emsdettener Venn mit seinem Hochmoor ist nicht nur wegen seiner schönen Landschaft als Naturschutzgebiet weit über das Münsterland hinaus bekannt. Neben den eindrucksvollen Landschaft, werden schon seit langer Zeit zahlreiche Spuk- und Schauermärchen über dieses Landstrich erzählt.

Eines dieser Märchen ist die Geschichte vom „Viennmöerken“ – dem Vennmütterchen, einem alten hutzeligen Weib, das im herbstlichen Schummerlicht, wenn schwere Nebelschwaden über dem Moor hängen, spinnenartige Netze zwischen den Moorpflanzen webt. Diese Spinnweben nennt man „Viennmöerkens Schleier“, denn sie sehen im Morgennebel aus, als hätte tatsächlich jemand einen Schleier im Moor ausgebreitet.

In der Sage heißt es, dass das alte Vennmütterchen auf diese Weise kleine Kinder, die sich im Moor verlaufen haben, einzufangen versucht. Und immer wieder, wenn es Herbst wird, erzählen die Älteren den Kindern am Herdfeuer den Kleinen dann die gruseligen Geschichten um das Vennmütterchen. Zum Beispiel die folgende Geschichte…

Es war einmal vor langer Zeit: Die Mutter hatte den kleinen Peter ins Dorf geschickt, damit er beim Dorarzt eine Arznei für seine kranke jüngere Schwester besorgte. Auf dem Weg zurück nach Hause traf Peter einige Kinder aus dem Dorf und ließ sich dazu überreden, noch ein wenig dort zu bleiben, um mit ihnen zu spielen. Die Zeit verging wie im Flug und es begann schon zu dämmern als Peter sich auf den Weg nach Hause machte. Um sich nicht noch unnötig zu verspäten, wollte er die Abkürzung durchs Venn nehmen, denn die Mutter wartete sicherlich schon auf ihn und würde bestimmt böse werden, wenn er sich noch mehr verspätete.

Es wurde schneller dunkel als Peter gedacht hatte und die letzten Sonnenstrahlen blendeten ihn auf seinem Weg durch das Moor. Ehe er sich versah, hatte er im herbstlichen Schummerlicht die Orientierung verloren. Immer mulmiger wurde dem Kleinen zumute, zumal er schon seit einiger Zeit das Gefühl hatte, als würde irgendetwas hinter ihm herschleichen. Er kannte ja die Geschichte vom Vennmütterchen, hatte sich aber nie darum geschert – er glaubte nicht an solche Schauermärchen, die man kleinen Kindern erzählte.

Mutig bahnte sich Peter seinen Weg weiter durch das Moor und versuchte, sich dabei wieder einigermaßen zu orientieren. Doch durch die Dunkelheit kam er immer schlechter voran. Ein letzter Sonnenstrahl warnte ihn zu spät und plötzlich hatte er sich in einem riesigen Schleier Spinnweben verfangen. Er wehrte sich verzweifelt, doch umso mehr er sich wand und zappelte umso ärger verwickelte er sich in den Spinnweben. Jegliches Zeitgefühl hatte ihn verlassen, als er völlig erschöpft die Augen schloss und nur noch wie aus weiter Ferne ein leise kicherndes altes Mütterchen wahrnahm.

Leblos und blutleer fanden am nächsten Morgen Torfstecher auf dem Weg zur Arbeit den kleinen Peter im Emsdettener Venn. Sie konnten ihm nicht mehr helfen, das Vennmütterchen hatte seine kleine Seele geholt. Deswegen droht man wohl noch heute Emsdettener Kindern, die abends nicht rechtzeitig nach Hause kommen oder nicht ins Bett wollen und ungezogen sind: „Dat Viennmöerken halt die!“

Die Sage als Podcast im mp3-Format zum kostenlosen Download


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