Stadtgeschichte Dülmen

 
 

 
 
 

Dülmen - Dülmen ist ein attraktiver Wohnort mit einer rund 200 Jahre alten Geschichte. Davon zeugt nicht nur die ständig wachsende Einwohnerzahl in den letzten Jahrzehnten. Schon in der Bronzezeit siedelten sich Menschen an den Rändern des Dülmener Höhenrückens an. Vorübergehend gab es hier auch eine römische Niederlassung.

Zu einer kontinuierlichen Besiedlung in der Gegend um Dülmen kam es nach der Völkerwanderung im 6. Jahrhundert. Nach der Eroberung Sachsens durch den Frankenkönig Karl den Großen im 8. Jahrhundert verbreiteten Missionare – wie der später heiliggesprochene Liudger – hier das Christentum. In diese Zeit fiel der Bau einer ersten Holzkapelle in Dülmen, die 1074 durch einen romanischen Nachfolgebau ersetzt wurde.

Vor der Kirchengründung existierte auf dem Bült ein sächsischer Hof, der dem Bischof von Münster zur Versorgung seiner Hofhaltung diente. Der Inhaber dieses sogenannten Richthofs übte die Rechtsprechung über die bischöflichen Höfe der Umgegend aus. Im Laufe der Zeit siedelten sich Handwerker und Händler um diese Hofstelle an. Die zentrale Bedeutung des Dorfes Dülmen nahm auf diese Weise zu.

Das Wachstum rief bald Neider auf den Plan. Diese versuchten, den Einfluss des Bischofs von Münster zurückzudrängen und Dülmen in ihren Besitz zu bringen. Bischof Burchard wehrte sich dagegen, indem er drei Kilometer südlich von dem Dorf die Burg Haus Dülmen errichten ließ. Aber auf Dauer reichten die Burgmannen zur Sicherung der bischöflichen Herrschaft nicht aus. Daher verlieh Bischof Ludwig II. den Bewohnern des Dorfes Dülmen 1311 die Rechte einer Stadt. Außerdem erlaubte er ihnen, zwei Jahrmärkten abzuhalten, einen davon zur Kirchweihe am Tag des Heiligen Viktor. Bis heute erfreuen sich die Kirmessen in Dülmen und seiner Umgebung großer Beliebtheit. Durch die politisch motivierte Errichtung eines Kanonikerstiftes an der Pfarrkirche St. Viktor (1323) unterstrich Bischof Ludwig zusätzlich den Wert der Stadt für das Fürstbistum Münster.

Die wachsende und wirtschaftlich erfolgreiche Bevölkerung befestigte Dülmen mit Mauern, Wällen, Gräben und fünf Toren. Von dieser mittelalterlichen Befestigung sind heute nur noch das Lüdinghauser Tor und zwei Wehrtürme erhalten. Der Nonnenturm erinnert an das 1456 errichtete Agustinerinnenkloster Agnetenberg. Das Kloster wurde 1811 im Zuge der Säkularisation aufgehoben. Seine berühmteste Nonne war Anna Katharina Emmerick, die hier von 1802 bis 1811 lebte. Ihre Wundmale und Visionen schlugen zahlreiche Menschen – wie Clemens Brentano – in ihren Bann.

Das Zentrum des städtischen Lebens bildeten im Mittelalter der Marktplatz und das um 1400 errichtete Rathaus. Hier tagten das Stadtgericht und der Rat, hier fanden auch größere Feierlichkeiten wie Hochzeiten statt. Der Marktplatz war im Spätmittelalter allerdings wesentlich kleiner als heute. Eine Häusergruppe längs der Marktstraße begrenzte die Fläche. Repräsentative Bürgerhäuser fanden sich rings um den Markt sowie an den fünf Hauptstraßen, die bis 1906 namengebend für fünf Stadtviertel waren.

Das Rückgrad der Wirtschaft bildete die handwerkliche Produktion für die Bevölkerung der Stadt und des weitläufigen ländlichen Kirchspiels. Die Handwerker waren in zwölf verschiedenen Zünften organisiert. Die Dülmener Kaufleute importierten Lebensmittel und Gewerbeerzeugnissen aus dem Ijsselgebiet und dem Rheinland. In die Niederlande exportierten sie Garn und Leinwand. Die Mehrzahl der Haushalte versorgte sich bis Anfang des 20. Jahrhunderts selbst mit Lebensmitteln, die die Bürger in ihren Gärten und auf ihren Äckern erzeugten.

Bis zum Ende der fürstbischöflichen Landesherrschaft 1802 wurde die Stadt Dülmen in ihrer Entwicklung immer wieder durch Kriegszüge zurückgeworfen – wie die Münstersche Stiftsfehde (1450/57), den Spanisch-niederländischen Krieg (1587/99), den Dreißigjährigen Krieg (1618/48) und den Siebenjährigen Krieg (1756/63).

Für eine kurze Zeit machten die Herzöge Anna Emanuel und August Philipp von Croy die Stadt zur Residenz der souveränen Grafschaft Dülmen (1803-1806). Diese Phase hinterließ jedoch keine Spuren im Stadtbild. Anders der Bau eines Schlosses (1834/44) durch die zu Standesherren im Königreich Preußen ernannten Herzöge von Croy: Er sorgte für eine Umgestaltung des Stadtgrundriss im südlichen Bereich. Ebenso setzte die Anlage des herzoglichen Wildparks einen bis heute prägenden Akzent.

Mit der Errichtung der Eisenhütte Prinz Rudolph setzte 1842 die Industrialisierung in der südwestlichen Feldmark ein. In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden in Dülmen außerdem drei mechanische Webereien für Leinen- und Baumwollstoffe (Bendix, Ketteler und Leeser) – nach dem Bau der Eisenbahnlinien Münster-Haltern-Wesel (1870/74) und Dortmund-Gronau-Enschede (1875), die sich in Dülmen kreuzen. Diese drei Textilbetriebe waren für fast 100 Jahre die Hauptarbeitgeber in Dülmen. Holzverarbeitung und Baugewerbe mit einer Ziegelei sowie Buchdruck und Verlag ergänzten den produzierenden Sektor einer Stadt, die 1931 die Geburt ihres 10.000 Einwohners erlebte. Seit der Strukturkrise der 1960er Jahre büßte die Textilindustrie ihre Bedeutung als wichtigster Gewerbezweig mit Schließung der Firma Bendix (1993) vollständig ein.

Einen tiefgreifenden Einschnitt in der 634-jährigen Stadtgeschichte markierte der 21./22. März 1945, als alliierte Bomber die Dülmener Altstadt in eine Trümmerwüste verwandelten. Der Wiederaufbau berücksichtigte einen stetig wachsenden Autoverkehr. Die Hauptdurchgangsstraßen erhielten breitere neue Trassen. Zahlreiche Flüchtlinge und Vertriebene fanden in Dülmen eine neue Heimat. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden Siedlungen im beengten nördlichen und östlichen Stadtgebiet, in dem 1974 fast 23.000 Menschen lebten.

Mit der Ansiedlung von Bundeswehreinheiten in der Barbara-Kaserne (1966-2003) gingen die verfügbaren Flächen im Stadtgebiet zur Neige. Abhilfe bot die Kommunalreform von 1975 in der sich die Stadt und die Gemeinden Merfeld, Kirchspiel Dülmen, Buldern, Rorup und Teile von Limbergen zur neuen Stadt Dülmen zusammenschlossen.

Die Bevölkerungszahl der flächengrößten Gemeinde des Regierungsbezirks Münster wuchs in den vergangenen 25 Jahren um 20 Prozent. Die 50.000-Einwohner-Marke scheint in greifbare Nähe gerückt zu sein. Dülmen profitiert von seiner verkehrsgünstigen Lage zwischen dem Oberzentrum Münster und dem nahen rheinisch-westfälischen Industrierevier. Mit dem Lückenschluss der A 43 verbesserten sich 1981 die Verkehrsverbindungen erheblich, so dass beide Zentren in kurzer Zeit erreicht werden können. Dank der guten Infrastruktur konnten neue Betriebe angesiedelt und auch in den Ortsteilen Merfeld, Rorup, Buldern und Hiddingsel neue Gewerbeflächen ausgewiesen werden.