Up Platt vertellt: Bennad un Ömer

 
 

 
 
 

Münsterland - In unregelmäßigen Abständen präsentiert muensterland.de ab sofort Beiträge von Gastautoren auf Plattdeutsch. In der ersten Folge erzählt Annette Winkelhorst die anrührende Geschichte von "Bennad und Ömer".

 
 

Ett is all gutte 35 Johr hen, äs bie uss in't Doorp de ersten „Gastarbeiter“ introcken. Wie keeken nejschierich op de frömden Löh , de ock ganz anners antrocken wassen äs wie. Verstoahn konn man sick ock nich so richtig, weggen datt de Familgen wall so'n bettken Dütsch kührten, obber Platt, datt konnen de noh ock nich. Un de Wessemsken, de konnen ock keen Türkisch, obwohl de allgemein äs de „Wessemsken Türken“ in de Geschichte van datt westlicke Mönsterland ingoahn bünnt. Worüm ett de noh so hetten doht, datt wett keneene mehr.

Jedenfalls hett' de Ausken “Waterratten”, de Eepsken “Pillepatten”, de Ottenstensken bünnt de “Wotteln”, de Alstätter bünnt de “Sandhasen” und dann giff datt noch de “Wüllschke Wind”. Un de Wessemsken datt bünnt äben de “Türken”. Noh hett obber in't Plattdütsche n`Türken öwwersatt in't Hochdütschke „ein Weilchen“. Wenn man noh bie'n Doktor wochten mutt, dann sech de Spreckstundenhölpe: „du muss noch wochten, datt düürt noch n' Türken.“ Obber ick komm ganz van mien eegentlicket Thema aff. Ett geht mie ja noh üm de Mönsterländschke-Türkische Noberschupp.

Eens gutten Dachs hadden de türkischken Nobers Besuch utt ehr Heimatland, ehren Bessvader was door. Jeden Dach satt he op een Bänksken vöör datt Huss in'ne Sünne. So hadden datt usse Vorfahren ock all immer doahn. Noh kööm datt eens gutten Dachs, datt usse Vahre in ussen  Goahren an't fuhrwerken wass. He woll tüschken datt Gemöse hacken, doormett ett gutt wassen döch. Door kööm op eenmaol denn türkischen Bessvader mett sien Käppken op denn Kopp un bekeek sick datt äs nöger . Usse Vahre, de sick joh nich unnerhollen konn, trock ne Schlootkopp utt de Grund, hööl se em hoch un sech so mett een Woort „SCHLOOTKOPP“. Door lööp denn türkischen Noaber in ehren Goahren, kööm weer und wees usse Vahre 'ne Paprika un sech: BIBER. Usse Vahre wees em noh ne Kabusskopp un sech: ROTEN KABUSS. Doorup hen wees em denn Türken noh weer 'ne Melone un sech so mett een Wort: KAVUN. Usse Vahre moch lachen un wees em noh weer 'ne Kohlrabi un sech op Platt : KOLLRABEN. Datt löht denn ollen Türken nich op sick sitten und kööm bolle weer mett eene Knoblauchknolle un sech laut und düttlick: SARIMSAK. Doorup henn wees em usse Vahre sien  Schnittlauch un sech: Datt iss usse PUPPKRUTT.

So göng datt hen un her. Noh' ne gutte halbe Stunde kööm noh denn türkischen Bessvader mett 'ne Gurke weer un woll gerade seggen: SALATALIK.....

Door rööp usse Vahre: hoah, datt gifft bie uss in't Mönsterland all lange. Wie bruckt de föör Gurkenschloot. Beide mochen lachen, beide wassen Buuren. Un de, de bruck keene langen Woorde, üm sick te verstoahn. Buuren, de verstoaht sick op de ganze Welt, ohrne langet Gekühr.

 

 
 
 
 

Buchtipp: "PlattFormen" von Annette Winkelhorst

Diese Geschichte ist ein Auszug aus dem Buch "PlattFormen" von Annette Winkelhorst. Geschichten und Gedichte von heute in münsterländischem Platt beinhaltet der Band. 

Zum Inhalt: 
Ist die niederdeutsche (plattdeutsche) Sprache vom Aussterben bedroht? Nicht unbedingt, noch kann der Prozess aufgehalten werden. Erste Versuche gibt es schon, in vielen Schulen und Vereinen werden diesbezüglich Sprachkurse angeboten und das Plattdeutsche gepflegt.

Dieses Buch ist der Versuch, das münsterländische Platt in die heutige Zeit zu integrieren und so auch ein jüngeres Publikum zu erreichen.
Es setzt sich im münsterländischen „Sprachsound“ mit den Alltagsproblemen der heutigen Zeit auseinander. Vielfältig sind die Themen, es geht nicht nur um „Genfood“, „Google“ und „Grufties“, sondern auch um die alltäglichen Begebenheiten im Münsterland.
Die Texte laden zum Schmunzeln, Nachdenken, zum „Tragen von Holzschuhen“ und zum Drücken des „Gefällt-mir-Buttons“ ein, sie sind direkt, kritisch und liebevoll in plattdeutscher „Watte“ verpackt.



Die Autorin Annette Winkelhorst, geboren und aufgewachsen in dem Dorf Wessum bei Ahaus, schreibt seit vielen Jahren Gedichte und Kurzgeschichten in münsterländischem Platt. Noch heute wird diese Sprache im Familienverbund gesprochen.
Sie lebt seit mehr als 20 Jahren im westlichen Ruhrgebiet und ist dort als Ergotherapeutin tätig.

Annette Katharina Winkelhorst: „Plattformen – Geschichten und Gedichte von heue im münsterländischem Plattdeutsch“, Agenda Verlag, Münster 2015, 80 Seiten, Taschenbuch, ISBN 978-3-89688-539-5

 

 
 

Up Platt vertellt: Gastautoren gesucht

Für unsere neue Rubrik "Up Platt vertellt" suchen wir Gastautoren, die Spaß an der plattdeutschen Mundart und am Schreiben haben. Kurze Geschichten, Anekdoten oder Kolumnen auf Plattdeutsch sollen in dieser Rubrik künftig präsentiert werden, um das Plattdeutsche auch im Online-Zeitalter lebendig zu halten. Interessierte melden sich bitte per Mail bei redaktion@muensterland.de.


 
 

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