Stadtkasse geht mit Ventilwächtern gegen Zahlungssäumige vor

 
 

 
 
 
Diese Meldung wurde am 30.10.2016 archiviert.
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Ibbenbüren - Zahlungsmoral in Deutschland – bekanntlich ein heikles Thema. Ist es doch bei allzu vielen nachgerade zu einer sportlichen Übung geworden, Zahlungsaufforderungen vor sich hin fordern zu lassen, ohne ihnen nachzukommen. Auch die Stadtkasse der Stadt Ibbenbüren macht in unschöner Regelmäßigkeit Erfahrung mit solchen Empfängern von Zahlungsaufforderungen, die ihrer unzweifelhaften Zahlungsverpflichtung nicht Genüge tun wollen und es deshalb schleifen lassen.

Wer diese gelben Aufkleber an seinem Auto vorfindet, sollte nicht mehr losfahren: Stadtkassen-Leiterin Miriam Niehaus präsentiert Ventilwächter und Hinweisaufkleber für Dauerzahlungssäumige.
Wer diese gelben Aufkleber an seinem Auto vorfindet, sollte nicht mehr losfahren: Stadtkassen-Leiterin Miriam Niehaus präsentiert Ventilwächter und Hinweisaufkleber für Dauerzahlungssäumige.

Die Anlässe sind hierbei nahezu beliebig. „Wir haben Eigentümer, die die städtischen Steuern und Abgaben nicht bezahlen, ebenso Falschparker… Rundfunkgebühren, die ja über uns eingezogen werden, machen am meisten Ärger“, unternimmt Stadtkassen-Leiterin Miriam Niehaus einen Ansatz zu einem Ranking. Deutlich ist die schlechte Zahlungsmoral bei jeglichen Bußgeldern ausgeprägt, in jedem Bereich. Und: Der Missstand ist größer geworden, spürbar vor allem in den vergangenen beiden Jahren.

Sogar so sehr, dass die Stadt Ibbenbüren jetzt gezielt gegen Hardcore-Zahlungssäumige vorgehen wird: mit einer pneumatischen Wegfahrsperre für deren Autos, landläufig inzwischen auch als Ventilwächter bekannt.

Ventilwächter funktionieren denkbar einfach: Diese kleinen Vorrichtungen werden auf beiden Vorderreifen fixiert, und zwar so, dass sie beim fahrenden Wagen aufs Ventil drücken. So lange das Fahrzeug in Bewegung ist, entweicht stetig Luft. Nach 300 Metern Fahrstrecke ist der Reifen platt.

Verhindern kann den doppelten Platten und die damit verbundene verringerte Automobilität, wer sich umgehend mit der Stadtkasse in Verbindung setzt und seine Außenstände bei der Stadt ebenso umgehend begleicht, entweder per Barzahlung oder auch bargeldlos. „Unsere Mitarbeiter, die in diesen Fällen zügig erreichbar und vor Ort sind, können beide Zahlungswege bedienen“, erklärt Niehaus. Danach werden die Ventilwächter stante pede wieder vom Reifen entfernt, und alles ist gut.

Wer es bei seinen Zahlungsverpflichtungen schleifen lässt, könnte selbiges also im Ernstfall bei seinen Autoreifen erleben. Ganz ohne Vorwarnung ist dies allerdings nicht vorgesehen, wie Miriam Niehaus erläutert: „Bereits auf den Pfändungsandrohungen finden sich Hinweise auf solche Zwangsmaßnahmen. Die Warnung steht also schon im Raum. Wenn wir etwa frühmorgens auf dem Stellplatz des Schuldners den Ventilwächter am Auto anbringen, werfen wir zudem einen weiteren Hinweisbrief in den Briefkasten. Und wir bringen gelbe Warnaufkleber auf den Autoschreiben an – unübersehbar.“ Wer gelb sieht, hat also immer noch die Chance, schnell seine finanziellen Verbindlichkeiten bei der Stadt zu regeln, ohne dass er wortwörtlich auf dem Schlauch steht.

Bei all dem ist die pneumatische Wegfahrsperre als Instrument für ernste Fälle von Zahlungsverzug gedacht. Als ultima ratio für bereits vielfach Gemahnte und Verwarnte, die immer noch beharrlich den Griff zum Portemonnaie scheuen. „Aktuell haben wir zirka 50 solcher Problemfälle in Ibbenbüren, oftmals Mehrfachfälle“, weiß Stadtkassen-Leiterin Niehaus zu berichten. Fünf bis zehn von diesen einschlägig Bekannten sind mittlerweile für den Ersteinsatz des Ventilwächters ins Visier gefasst, weil alles Mahnen bei ihnen nicht gefruchtet hat. 

Letztlich ist es für die Stadt eine Frage der Gerechtigkeit. Die einen zahlen korrekt, was zu zahlen ist – und andere pfeifen auf jede Zahlungserinnerung, versuchen sich durchzumogeln. Fair geht anders. „Wir erleben in nicht seltenen Fällen, dass jemand auf Zahlungsaufforderungen überhaupt nicht reagiert – aber auf dem Hof steht ein dickes Auto. Das geht nicht zusammen“, berichtet Miriam Niehaus aus der Praxis der Stadtkasse. Der Ventilwächter ist hier als erzieherisches Mittel gedacht. Eben auch um deutlich zu machen, dass eine Zahlungsverpflichtung eine Verpflichtung ist – und zwar für jeden.


 
 

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