Das rock’n’popmuseum Gronau sucht Zeitzeugen und Gegenstände der 70er Jahre

 
 

 
 
 

Gronau - Unter dem Titel „Die 70er Jahre in Westfalen – Demos, Discos, Denkanstöße“ plant das rock’n’popmuseum Gronau in Kooperation mit dem LWL-Museumsamt für Westfalen eine gemeinsame Wanderausstellung mit Bildern aus der Fotosammlung Christoph Preker.

Ziemlich schräg wirken Mode und Frisuren der 70er Jahre aus heutiger Sicht. In der Disco lief durchaus auch schon `mal deutscher Schlager

Um die damalige Zeit auch emotional zu erfassen sind nun Menschen, ihre Geschichten und Gegenstände der 70er Jahre gesucht.

Es ist das Jahrzehnt der neuen sozialen Bewegungen wie der Frauenbewegung, der soziokulturellen Zentren, der Open-Air-Konzerte. Umwelt- und Friedensbewegung machten durch Großdemonstrationen von sich reden. Alternative Zeitungen und Magazine boomten. Die Überwindung verkrusteter Strukturen fand nicht nur in Metropolen statt. Kinderläden, Jugendzentren, die Gleichberechtigung unterschiedlicher Lebensstile und anderes mehr sind heute ein unauffälliger Bestandteil unseres Lebensalltags, mussten damals allerdings noch Schritt für Schritt der Mehrheitsgesellschaft abgerungen werden.

Die Demokratisierung der Gesellschaft nahm in den 1970er Jahren ihren Lauf. Willy Brandt hatte in seiner ersten Regierungserklärung angekündigt: „Wir wollen mehr Demokratie wagen.“ Hier einige Schlagworte aus dieser Zeit: Ausbau der Hochschulen, BaföG, Reform des § 218, Radikalenerlass und Berufsverbote, Einführung von Gesamtschulen, „Terroristenjagd“ und „Deutscher Herbst“, RAF und „Institutionen-Feindlichkeit“, „Grenzen des Wachstums“ und Ölkrise. Die bundesdeutsche Gesellschaft und auch Westfalen-Lippe ist politisiert wie nie zuvor und befindet sich im Umbruch. Die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte verzwanzigfachte sich, Deutschland ist de facto ein Einwanderungsland geworden. PKWs, elektrische Haushaltsgeräte sowie Kommunikations- und Unterhaltungselektronik nehmen flächendeckend zu. Die Innenstädte werden immer mehr zu modernen Verwaltungsstandorten; bezahlbarer Wohnraum wird rar; es kommt zu Hausbesetzungen und Bürgerinitiativen. Ebenso sind die 1970er Jahre für Ihre schrille Mode bekannt - Schlaghosen, Plateausohlen, Batik und Blümchen-T-Shirts. Die Jugend verbrachte ihre Abende und Nächte im eigenen Partykeller oder im Saturday-Night-Fever in den Discotheken.

Christoph Preker (1945-1996) war ein leidenschaftlicher Fotograf aus Münster, der bis zum Schluss unbeeindruckt von der bunten Bilderwelt der Hochglanzmagazine am Schwarz-Weiß-Film festhielt. Viele Jahre galt er als Münsters bekanntester Theaterfotograf, fotografierte bei Proben und Premieren. Zwischen 1970 und 1996 dokumentierte er mit seiner Kamera nicht nur das akademische Leben in Münster zwischen Demos, Hausbesetzungen oder Rektorwahl, sondern sein Interesse galt daneben auch der Musik und dem Alltagsleben, nicht nur in Münster.
Zeitzeugen, die Auskunft über die erwähnten Themen geben können und vielleicht auch Original-Exponate als Leihgabe von Privat zur Verfügung stellen mögen, sollten sich schnellstmöglich bei den Ausstellungskuratoren melden. Interessante Exponate für die Ausstellung wären beispielsweise ein orangefarbenes Wählscheibentelefon oder auch Prilblumen-Motive.

Ansprechpartner sind Dr. Thomas Mania, rock’n’popmuseum Gronau, Tel. 02562/8184-13 bzw. thomas.mania[at]rock-popmuseum[punkt]de  und Frau Verena Burhenne, M.A., LWL-Museumsamt für Westfalen, Tel. 0251/591-4753 bzw. verena.burhenne[at]lwl[punkt]org.

 

 


 
 

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