Bauhaus-Ausstellung: Experimente in Licht und Bewegung

 
 

 
 
 

Münster (lwl) - Das Bauhaus ist mehr als das gebaute Manifest oder ikonisches Design. Mit seinem innovativen Anliegen, die strengen Grenzen zwischen bildender, darstellender und angewandter Kunst aufzulösen, prägte das Staatliche Bauhaus zahlreiche Künstlerinnen und Künstler der Moderne.

Über die Ausstellungseröffnung freuen sich (v.l.n.r.) Kuratorin Kristin Bartels, LWL-Direktor Matthias Löb, Kuratorin Dr. Tanja Pirsig-Marshall, Hermann Arnhold, Direktor des LWL-Museums für Kunst und Kultur und Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, LWL-Ku
Über die Ausstellungseröffnung freuen sich (v.l.n.r.) Kuratorin Kristin Bartels, LWL-Direktor Matthias Löb, Kuratorin Dr. Tanja Pirsig-Marshall, Hermann Arnhold, Direktor des LWL-Museums für Kunst und Kultur und Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, LWL-Kulturdezernentin Neben der Arbeit von Marcel Dzama, Merry go round #2 von 2011, aus der Sammlung Monika Schnetkamp, Düsseldorf, © Marcel Dzama, 2018. Foto: LWL/Christoph Steinweg

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster überschreitet mit der Ausstellung "Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung" (9. November 2018 bis 10. März 2019) ebenfalls Grenzen: Bewusst richtet es den Blick auf die wechselseitigen Beziehungen der um 1930 nach Amerika emigrierten Bauhäusler zu amerikanischen Kunstschaffenden und konzentriert sich dabei auf das bisher wenig beachtete Feld von Licht- und Bewegungsexperimenten. Mehr als 150 Arbeiten aus dem Bereich Malerei, Skulptur, Fotografie und Film ermöglichen einen Einblick in das Schaffen von über 50 Künstlerinnen und Künstlern. 

In der von Walter Gropius 1919 in Weimar gegründeten Kunstschule war die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Gewerke und Künste das Grundprinzip der Lehre. Nach der Schließung des Bauhauses in Dessau 1932 und in Berlin 1933 durch die Nationalsozialisten emigrierten viele ehemalige Bauhäuslerinnen und Bauhäusler nach Amerika. Als Professoren an wegweisenden Kunstinstitutionen wie dem Black Mountain College in North Carolina oder dem New Bauhaus in Chicago brachten sie bedeutende, vom Bauhaus geprägte Ideen in die USA und entwickelten sie dort weiter. Durch die fruchtbaren Interaktionen entstand ein erweiterter - grenzüberschreitender - Kunstbegriff, der die Kunst- und Kulturszene nach 1945 revolutionierte und bis heute wirksam ist. 

Bauhausbühne, Tanz und Performance

Licht und Bewegung waren in den 1920er Jahren zentrale ästhetische Kategorien der künstlerischen Avantgarde. Die Bauhausbühne mit ihrem abstrakten Tanz und mechanischen Bühnen- und Lichtapparaten, aber auch die innovativen Fotografie- und Filmprojekte am Bauhaus zeugen hiervon. 

In den amerikanischen Nachfolgeinstitutionen setzt sich diese Freude am Experiment fort. Es entstehen mit Licht- und kinetischer Kunst, experimenteller Film- und Videokunst sowie Tanz- und Performancekunst neue künstlerische Experimentierfelder. Arbeiten von Oskar Schlemmer, Xanti Schawinsky und Andor Weininger aus der Bühnenwerkstatt des Bauhauses verdeutlichen in der Ausstellung den historischen Bezug. 

Tanz als Experiment

Für Schlemmer war Tanz Bewegungs- und Raumexperiment, er untersuchte insbesondere das Verhältnis des Bühnenraums zu den Formen und Farben der sich in ihm bewegenden Akteure. Mit der Entstehung einer am Prozess orientierten Performance-Kunst in den 1950er und 1960er Jahren entwickelten amerikanische Choreografen, Tänzer und Künstler - unter ihnen Merce Cunningham, John Cage, Robert Rauschenberg und Bruce Nauman - diese Ansätze weiter, indem sie nach alternativen Bewegungsformen suchten. Sie wandten sich rigoros von den Gesetzen der Bühne ab und erforschten das Verhältnis des Körpers zum Raum, zur Zeit und zur Bewegung.

Lichtkunst, Kinetische Kunst

Lange bevor Kunstströmungen wie Lichtkunst, Kinetische Kunst und Op Art in den 1950er und 1960er Jahren populär wurden, beschäftigten sich zahlreiche Bauhaus-Künstler mit den Themen Licht und Bewegung als integrale Bestandteile der Kunst, darunter László Moholy-Nagy und sein langjähriger Assistent und Kollege nach der Bauhaus-Zeit György Kepes. In den USA wurden die Überlegungen am Institute of Design in Chicago und dem Center for Advanced Visual Studies am Massachusetts Institute of Technology (MIT) fortgeführt. 

Am MIT studierten auch Künstler wie Otto Piene, die bedeutende Impulse der Licht- und kinetischen Kunst zurück nach Deutschland brachten. Moholy-Nagys "Licht-Raum-Modulator" (1930) gilt als erste großformatige, kinetische Lichtskulptur. Die Arbeit ist in der Ausstellung täglich 11 und 16 Uhr für 15 Minuten in Aktion zu erleben. Mit Ludwig Hirschfeld-Macks Apparatur für "Farbenlichtspiele" (1923) ermöglicht das Museum eine einmalige Licht-Raum-Erfahrung. Beide Apparaturen sind als Nachbildungen seit langem wieder zusammen in Deutschland ausgestellt. 

Experimenteller Film und Fotografie

Moholy-Nagy gilt zudem als Vorreiter der experimentellen Fotografie. In seinen Fotogrammen schuf er experimentelle Bildräume mit bewegtem Licht und testete immer wieder die Grenzen des Mediums aus. An den amerikanischen Schulen beeinflusste er zusammen mit Kepes Fotografen wie Harry Callahan, Aaron Siskind oder Nathan Lerner. Das geeignetste Experimentierfeld, um Licht und Bewegung in reinster Form zum Ausdruck zu bringen, war jedoch der Film als neues Medium künstlerischer Auseinandersetzung. In den Lichtexperimenten der 1920er und 1930er Jahren wurden Farben und Formen zum Tanzen gebracht, Klänge und Töne verbildlicht oder das Licht zum alleinigen Akteur auf der Kinoleinwand erhoben. Bedeutende Werke des Absoluten Films von Viking Eggeling, Hans Richter und Oskar Fischinger sind in der Ausstellung vertreten, aber auch die Arbeit "Rhythm in Light" (1934) der amerikanischen Filmpionierin Mary Ellen Bute. 

Op Art

Josef Albers prägte mit seinen Werken und seiner erzieherischen Praxis am Black Mountain College und später in Yale zahlreiche Künstlerinnen und Künstler in den USA. Durch seine Überlegungen zu Optik und Wahrnehmung gilt er als ein Vorbereiter der Op-Art-Bewegung der 1960er Jahre. Seine Publikation "Interaction of Color" (1963) machte die Amerikaner mit dem skeptischen Sehen vertraut. In der Ausstellung sind Arbeiten seiner Schülerinnen und Schüler zu sehen, wie Richard Anuszkiewicz, Julian Stanczak und Sue Fuller. Auch für die illusorische Lichtkunst war Albers von Bedeutung, was durch Werke von Robert Irwin und James Turrell veranschaulicht wird.

Aktualität und Rahmenprogramm - Kooperation mit dem TanzTheaterMünster

Ein weiterer Aspekt findet zum ersten Mal in einer Ausstellung Beachtung: die Rückwirkung dieser vom Bauhaus geprägten Kunstströmungen aus den USA auf die europäische und insbesondere auf die deutsche Kunst - beispielsweise auf die Künstlergruppe ZERO - sowie ihr weitreichender Einfluss auf die Gegenwartskunst. 

Die Ausstellung konzentriert sich nicht nur auf Positionen des Bauhauses und seiner amerikanischen Nachfolgeinstitutionen, sondern zeigt auch Werke europäischer und deutscher Künstlerinnen und Künstler der 1950er Jahre bis in die Gegenwart. Darunter sind Arbeiten von Tauba Auerbach, Daria Martin, Barbara Kasten, Marcel Dzama und Johanna Reich. 

Eigens für die Ausstellung entwickeln die beiden Choreografen Matthias Markstein und Isaac Spencer die Tanzperformance "MESH", die an acht Terminen im Foyer aufgeführt wird. Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) kooperiert darüber hinaus und im Sinne der ganzheitlichen Auffassung des Bauhauses erstmals mit dem TanzTheaterMünster, das mit "Unknown Territories" einen spartenübergreifenden Abend entwickelt hat. 

"100 jahre bauhaus im westen" ist ein Projekt des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL). Förderer der Ausstellung sind das Land Nordrhein-Westfalen, die Provinzial Stiftung für das LWL-Museum für Kunst und Kultur, der Kunststiftung NRW, die LWL-Kulturstiftung sowie die Freunde des Museums für Kunst und Kultur Münster e. V. und die Stiftung kunst³, der Stifterkreis des Museums.

LWL-Museum für Kunst und Kultur
Domplatz 10
48143 Münster
+49 251 5907 201
museumkunstkultur@lwl.org
http://www.lwl-museum-kunst-kultur.de
http://www.bauhaus-amerika.de


 
 

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