Aus Westfalen in die Südsee

 
 

 
 
 

Münster (sms) - Westfalen in der Südsee? Zahlreiche Menschen aus dem Westfälischen machten sich um 1900 tatsächlich auf an das andere Ende der Welt, das wir heute Ozeanien nennen. In die Inselwelt des Pazifiks reisten vorrangig Missionare der rheinisch-westfälischen Ordensprovinz der Kapuziner sowie Missionare und Missionsschwestern des Herz-Jesu-Ordens.

Eigens für die Mission in den deutschen Kolonien 1897 gegründet (ausgehend von der ursprünglichen Ordensgemeinschaft in Frankreich) hat der Orden seitdem seinen Sitz in Hiltrup, dem heutigen Stadtteil von Münster.

Die Ausstellung "Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien" wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster "Religion und Politik" der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Die Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Silke Hensel, der Lehrstuhlinhaberin für außereuropäische Geschichte, ermöglichte es, dieses bislang wenig erforschte Thema für eine Ausstellung aufzuarbeiten. Sie widmet sich der katholischen Mission in Papua-Neuguinea, dem Bismarck-Archipel, den Karolinen und Marianen-Inseln. Exemplarisch beleuchtet die Ausstellung das Leben der Missionare in Ozeanien, ihre Missionstätigkeit und ihr Verhältnis zu den Einheimischen, zur Kolonialverwaltung sowie zu den evangelischen Missionswerken. Erstmals wird die katholische Missionsgeschichte während der deutschen Kolonialzeit mit dem Fokus auf den münsterschen/westfälischen Orden in einer Ausstellung detailliert dargestellt.

Mission in den deutschen Kolonien um 1900 Erst spät – ab 1884 – beteiligte sich das Deutsche Reich an dem Streben nach Kolonien. In der als Südsee bezeichneten Region Ozeanien erlangte das Kaiserreich einige Besitzungen, in denen für die Bekehrung der indigenen Bevölkerung nur deutsche Missionare zugelassen wurden. Diese Forderung führte zur Gründung der Herz-Jesu-Missionare, deren Missionshäuser für Brüder und Schwestern in Hiltrup errichtet wurden. In Münster entstand 1910 auch der erste Lehrstuhl für katholische Missionswissenschaft. Neben den Herz-Jesu-Missionaren und Missionarinnen waren vor allem Kapuziner der rheinisch-westfälischen Ordensprovinz beteiligt. Sie übernahmen die Aufgabe von spanischen Kapuzinern, nachdem das Deutsche Reich Kolonien in Mikronesien erworben hatte.

Oftmals arbeiteten die Missionare eng mit der Kolonialregierung zusammen. Die Bekehrung zum Christentum und die Absicht, die Einheimischen im Sinne der deutschen Kultur zu prägen, gingen Hand in Hand. Davon hoffte auch die Kolonialverwaltung zu profitieren, da sie ebenso wie die Missionare von der indigenen Bevölkerung eine deutsche Arbeitsdisziplin erwarteten.

Zugleich forschten die Missionare auf verschiedenen Feldern. Die Tier- und Pflanzenwelt ihrer neuen Lebenswelt regte zu umfangreichen Publikationen an genauso wie das intensive Erforschen der lokalen Sprachen, um die Bekehrung der Indigenen erfolgreicher betreiben zu können. Der oftmals starke Eingriff von Missionaren und Kolonialbeamten in die Lebensgewohnheiten von Indigenen in deren Umgebung führte zu einigen Konflikten, in denen sich die Indigenen wehrten. Bedeutende Objekte Zahlreiche Leihgaben veranschaulichen das Leben der Missionare, ihre Aufgaben und wissenschaftlichen Interessen, die Beziehung zur Kolonialregierung und zur evangelischen Mission. Fotografien illustrieren das Wirken der Missionare in Ozeanien und ihren Einfluss auf die lokale Bevölkerung. Ethnologische Objekte, die von den Missionaren mit nach Deutschland genommen wurden, lassen die komplexe und für Christen fremdartige Vorstellungswelt der indigenen Einwohner erahnen. So wird als außergewöhnliches und sehr seltenes Stück ein für den 
Ahnenkult erstellter Mondfisch aus Neuirland (ehemals Neu-Pommern) zu sehen sein.

Weitere Gegenstände strahlen eine für Europäer besondere handwerkliche Kunstfertigkeit aus. Auch die Interpretation von christlicher Bildsprache durch indigene Künstler kann anhand von Objekten nachvollzogen werden. Einblicke in die Natur der deutschen Kolonien gewähren zahlreiche Vogelpräparate und weitere Tiere, die dem Forschergeist des 19. Jahrhunderts entsprechend nach Hiltrup gebracht wurden. Die teilweise über 100 Jahre alten Präparate zeugen nicht nur von der Tierwelt in den Kolonien, sondern auch von ihrer Bedeutung für die Wissenschaft.

Auch die Auswirkungen der kolonialen Verbindungen auf die Bevölkerung im Deutschen Reich werden erfahrbar. Der Kontakt mit den Menschen aus den Kolonien, etwa in sogenannten Völkerschauen, beeinflusste Fremd- und Selbstwahrnehmung sowohl der Deutschen als auch der Indigenen aus den Kolonien. Hinzu kam etwa die größere Verfügbarkeit von Kolonialwaren, die nun für breitere Bevölkerungskreise erschwinglich wurden.


 
 

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