Des Riesen Grienkenschmieds Rache

 
 

 
 
 

Der Riese Grienkenschmied ist eine der bekanntesten Sagengestalten aus dem Münsterland. Etliche Erzählungen ranken sich um den gutmütigen Riesen, der den ein oder anderen an einen wohlbekannten langbärtigen Mann aus dem Erzgebirge erinnern mag. Zumindest in der wohl bekanntesten Erzählung geht der Riese Grienkenschmied ähnlich robust zu Werke.

Der Riese Grienkenschmied, der am Rösteberg in Altenberge hauste, war der einzige Schmied in der gesamten Gegend. Doch nicht nur deshalb, sondern auch wegen seiner riesigen Erscheinung und seiner gewaltigen Stärke war er weit über Altenberge hinaus bekannt. Sein langer, schwarzer Bart wucherte wild über seine lederne, von der vielen Arbeit ganz verdreckte Schmiedsschürze.

Doch trotz seiner wüsten Erscheinung war der Riese Grienkenschmied ein hilfsbereiter und grundehrlicher Zeitgenosse. Die Bauern der Gegend kannten und schätzten seine Arbeit und fast jedem hatte der Riese schon einmal einen guten Dienst erwiesen.

Ganz in der Nähe seiner Schmiede, die aus großen Eichenstämmen grob gezimmert war, führte der „alte Münsterweg“ vorbei, auf dem die Kaufleute zwischen Holland, Münster und Friesland verkehrten. Noch heute führt dieser Weg übrigens vorbei an der alten Krüsellinde bei Altenberge. Doch anders als heute war der Weg damals wesentlich unwegsamer und nur allzu oft morastig, so dass die Kaufleute mit ihren Kutschen nicht selten tief im Boden versanken und nicht vor oder zurück kamen.

Vom Rösteberg aus sah der Riese Grienkenschmied dann oft die schimpfenden Kaufleute in ihrer Not und mit einigen wenigen Schritten überwandt er die Strecke und half ihnen, die Kutschen aus dem dicken Morast zu ziehen.

Und gab es etwas zu feiern in der Gegend von Altenberge, so wendeten sich die Brautleute oder wer immer sonst ein Fest ausrichtete an den Riesen. Denn als Einziger verfügte er über einen großen Bratenspieß, um einen ganzen Ochsen zu braten. Sein Lohn war von alters her stets ein Hinterviertel des Ochsen, denn Geld wollte der Riesen Grienkenschmied keines haben.

Doch als sich eines Tages einer traute, dem Riesen seinen Lohn vorzuenthalten, zeigte der Riese seine jähzornige Seite. Nach einer Hochzeit auf dem Hof Schulte Dahl brachte der Pferdeknecht dem Riesen den Spieß zurück, warf ihm das Eisen vor die Füße, lachte nur und gab seinem Pferd die Sporen.

Der Riese Grienkenschmied rief ihm hinterher: „Wo is den Broaden?!“. Doch er bekam keine Antwort und das Pferd samt Reiter verschwand bereits hinter einer dichten Staubwolke. Der Zorn stieg dem Riesen ins Gesicht und unter dröhnendem Brüllen nahm er die Verfolgung des Reiters auf. Und nur wenig später hatte er den dreisten Pferdeknecht eingeholt.

Der Riese Grienkenschmied packte sich das Pferd und riss ihm mit einem Ruck das rechte Hinterbein samt Batzen heraus, lachte laut und rief dem Pferdeknecht zu, der ängstlich auf dem Boden vor ihm lag, wo er zu Fall gekommen war: „So, nu häw ick minen Broaden!“. Seither traute sich niemand mehr, dem Riesen seinen gerechten Lohn für den Bratenspieß vorzuenthalten.


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