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Nur ein Aprilscherz: Nichts Neues von Varus

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Beckum / Münsterland - Sie haben es sicherlich bemerkt: Gestern haben wir uns einen kleinen Aprilscherz anlässlich des Varus-Jahres erlaubt. Die angeblichen Ausgabungen in Beckum waren ebenso wie der Tübinger Professor Friedrich Klinckenberg eine freie Erfindung. Vorerst bleibt es dabei, dass die Varusschlacht überwiegend bei Kalkriese und nicht bei Beckum verortet wird. Hier der Aprilscherz nochmal zum Nachlesen.


Bei der zweiten Meldung zum Thema, der Pfund des Varus-Pferdes, handelte es sich übrigens um einen April-Scherz des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, der per Zufall unseren eigenen Aprilscherz bestens ergänzte...

Römerfunde bei Beckum: Wieder Zweifel an Kalkriese


Beckum / Münsterland – Rund 700 Theorien zum Austragungsort der Varusschlacht vor fast 2000 Jahren sind im Umlauf. Eine davon verortet die historische Schlacht schon seit langem nahe Beckum im Kreis Warendorf. Diese Theorie erhält jetzt unerwartet Rückenwind. Archäologen stießen bei Beckum auf umfangreiche Funde aus der Zeit des römischen Kaisers Augustus.
Das Team um Professor Friedrich Klinckenberg arbeitet unermüdlich an der Grabungsstätte in Beckum und ist sich sicher: Varus war hier. Alle Fotos: Hermann Das Team um Professor Friedrich Klinckenberg arbeitet unermüdlich an der Grabungsstätte in Beckum und ist sich sicher: Varus war hier. Alle Fotos: Hermann
Feuersteine und einfachste Werkzeuge hatte das Grabungsteam von Prof. Dr. Friedrich Klinckenberg von der Universität Tübingen eigentlich erwartet, als es Anfang des Jahres die Grabungen in der Nähe von Beckum aufnahm. Stattdessen fanden die erstaunten Archäologen immer wieder vereinzelt römische Münzen und Waffenteile. Gestern entdeckte das Grabungsteam dann unerwartet an einer Fundstelle fast einhundert römische Münzen aus der Zeit des Kaisers Augustus. Die Zahl der Münzfunde erhöht sich damit schlagartig auf rund 150.

Eines der gestrigen Fundstücke: ein römischer Flaschenöffner aus der Zeit des Kaisers Augustus.
Eines der gestrigen Fundstücke: ein römischer Flaschenöffner aus der Zeit des Kaisers Augustus.
Das Brisante an diesem Fund: Die Münzen fallen in die Zeit der Varusschlacht, bei der der Cherusker-Fürst Arminius das römische Heer des Varus vernichtend schlug. Bislang wurde der Ort dieser Schlacht bei Kalkriese im Osnabrücker Land vermutet. „Unsere Funde sind sicherlich kein Gegenbeweis“, so Grabungsleiter Klinckenberg in einer gestern einberufenen Pressekonferenz, „aber die Kalkriese-Theorie gerät damit schon gehörig ins Wanken.“

Und das weckt Klinckenbergs Ehrgeiz. Das Grabungsteam, das ursprünglich nach frühzeitlichen Besiedlungen in den Beckumer Bergen suchen sollte, soll in den nächsten Tagen von derzeit fünfzehn Helfern auf rund 50 aufgestockt werden. „Wir rechnen mit weiteren größeren Funden in den nächsten Tagen“, so Klinckenberg. „Wenn wir hier fertig sind, kann Kalkriese einpacken“, meint der Tübinger.

Möglicherweise muss die Geschichte neu geschreiben werden, wenn die Grabungen bei Beckum abgeschlossen sind.
Möglicherweise muss die Geschichte neu geschreiben werden, wenn die Grabungen bei Beckum abgeschlossen sind.
In diesem Jahr jährt sich die Varusschlacht zum 2000. Mal und längst laufen die Vorbereitungen für verschiedene Großereignisse rund um das „Varus-Jahr“. Die Zeit drängt also akut, falls die Geschichte des Untergangs der römischen Armee neu geschrieben werden müsste. Auch deshalb lässt Klinckenberg das Grabungsteam so rasch verstärken.

Auch die studentischen Helfer im Grabungsteam sind sich dieser Tatsache bewusst und arbeiten seit den erneuten Funden ohne Unterlass und Pausen, gestern bei Scheinwerferlicht bis spät in die Nacht. „Wenn es sein muss, arbeiten wir auch Tag und Nacht im Schichtdienst“, meint Klinckenberg ohne ein Anzeichen von Erschöpfung aber in bester Goldgräberstimmung.

Ganz neu ist die sog. „Münsterländer Theorie“ zum Austragungsort der Varusschlacht übrigens nicht. Die Münsterländer Bucht und die Gegend um Beckum gehörten stets zu den bekannteren Varianten möglicher Schauplätze, bis sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Kalkriese-Theorie mehr und mehr durchsetzte.

Nach den Überlieferungen verschiedener römischer Autoren fand die mehrtägige Varusschlacht im Jahre 9 in Norddeutschland statt, als der römische Feldherr Varus mit seinen Legionen vom Sommerlager an der Oberweser ins Lager Castra Vetera bei Xanten aufbrach und von einem germanischen Heer unter der Führung von Arminius in einem Hinterhalt angegriffen wurde. Der Angriff endete mit einer Vernichtung dreier römischer Legionen.

Weitere Hinweise auf Varus-Schlacht im Kreis Warendorf!


Warendorf / Münsterland - Die Ereignisse überschlagen sich förmlich. Nachdem gestern bekannt wurde, dass der Tübinger Archäologe Prof. Friedrich Klinckenberg römische Münzen bei Beckum gefunden hat, die aus der Zeit der Varus-Schlacht stammen, meldet nun auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe einen spektakulären Fund aus der Kreisstadt!
Ausgegraben: Das Pferd des Varus in Warendorf. Foto: Wolfram Wintzer Ausgegraben: Das Pferd des Varus in Warendorf. Foto: Wolfram Wintzer
Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben jetzt in der Innenstadt des westfälischen Warendorf das 2.000 Jahre alte Skelett eines Pferdes entdeckt, das dem römischen Feldherrn zugeschrieben werden kann.

Das Kürzel des Verlierers Varus. Bild: LWL
Das Kürzel des Verlierers Varus. Bild: LWL
Am gut erhaltenen Zaumzeug seien die Buchstaben "VARI" und sein Kürzel "VAR" klar zu erkennen, berichtete die Römer-Expertin des LWL, Dr. Bettina Tremmel, am Mittwoch (1.4.). Das Tier sei eindeutig eines unnatürlichen Todes gestorben, was auf ein Schlachtgeschehen in der Innenstadt von Warendorf hindeute. Die Knochen des Reittieres seien gut erhalten, die dendro-chronologischen Untersuchungen an den Funden hätten die Datierung der Beschriftungen an einem der Lederriemen bestätigt, sagte der LWL-Archäologe Dr. Hans-Werner Peine.

In der Varusschlacht 9 nach Christus hatten die Germanen unter ihrem Anführer Arminius mehr als 15.000 römische Soldaten in einen Hinterhalt gelockt und vernichtend geschlagen. Die Pläne der Römer, eine Provinz rechts des Rheins zu errichten, wurden damals durchkreuzt.

Begeistert von den Funden: LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch.
Begeistert von den Funden: LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch.
Während in Warendorf die Grabungen weiter vorangetrieben werden, plant das LWL-Römermuseum in Haltern, dem "Pferd des Varus" einen Ehrenplatz in der kommenden Sonderausstellung "Imperium" (ab 15. Mai) einzuräumen. "Wir werden das goldene Zeitalter des römischen Reiches und den Lebensweg des Varus in einer spektakulären Ausstellung zeigen. Da passt der neue Fund sehr gut in unser Konzept", so der Leiter des LWL-Römermuseum, Dr. Rudolf Aßkamp.

LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch zeigte sich "überrascht und erfreut": "Dass wir ausgerechnet an meinem Heimatort diese Entdeckung gemacht haben, ist eine Sensation." Allerdings hätten ernstzunehmende Forscher schon früher auf die mögliche Herleitung des Städtenamens Warendorf aus dem römischen Namen Varus hingewiesen. Die übrigen 700 Theorien zum Ort der Varusschlacht würden durch den Fund deutlich an Boden verlieren, sagte Kirsch.