Tiiiiiiiief im Westen
„Tiiiiiiiief im Westen ...“ heißt die erste Zeile in Herbert Grönemeyers wohl bekanntestem Song. Aber so heißt auch die erste Zeile in diesem Wander-Tipp. Tief im Westen des Münsterlandes liegt Bocholt – Startpunkt für eine sieben Kilometer lange Wanderung, die über die Wanderwege X3 und X8 des Westfälischen Heimatbundes nach Rhede führt. Zurück geht es mit dem Regiobus R51 ab Rhede-Gudulakirche zur Station Bocholt-Bahnhof.
Parkplätze sind in der ganzen Stadt ausreichend vorhanden. Im Zentrum Bocholts steuern wir zur ersten Orientierung das Historische Rathaus mit Europa-Brunnen an. Der Grundstein für dieses imposante Gebäude wurde 1618 gelegt, als der Dreißigjährige Krieg ausbrach. 1622 dann war auch das Innere fertig, 1624 kamen die Fenster von dem künstlerischen „glasemaker“ Jan van Lintelo aus Bocholt. Dessen Vorlagen für Kabinettscheiben zählen heute zu den großen deutschen Zeichnungen des Manierismus. Das historische Rathaus hat schwere Zeiten erlebt. Im 19. Jahrhundert wurde die gesamte Inneneinrichtung zerschlagen, beim großen Luftangriff am 22. März 1945 brannte es bis auf die Außenmauern ab. Einen Blick ist auch der Europa-Brunnen wert, der 1972 zur 750-Jahr-Feier Bocholts gebaut wurde.
Wir gehen weiter über die Neustraße, überqueren die Aa und biegen links in die Boggeter Promenade neben der Aa ab. Dem Aa-Ufer folgen wir bis zum Aasee. Am anderen Aa-Ufer liegt das Westfälische Textilmuseum - eröffnet 1989 - mit Kessel- und Maschinenhaus, mit Shedhalle und Arbeiterhaus. Der Bocholter Aasee hat eine Gesamtfläche von 74 Hektar und ist die größte Freizeitanlage der 74.000-Einwohner-Stadt. Ab dem westlichen Ufer finden wir auch schon den Hauptwanderweg X 8.
Ab der Aa-Brücke wechseln wir vom X 8 auf den X 3 am Südufer in die Hohenhorster Straße und sind im Naturschutzgebiet Hohenhorster Berge. Warum Naturschutzgebiet? Schützenswert sind dort die Dünen mit offenen Grasflächen, dem grauen Silbergras und auch die Eichenwälder. Mit dem X 3 geht es vorbei am Hermann-Löns-Denkmal. Kurz danach biegen wir links in den Weg ohne Zeichen, am nächsten Querweg geht es rechts am Haus Winkelhausen vorbei; ein ehemaliges Lehngut. Von den 1823 verzeichneten Gebäuden besteht nur noch der nördliche Backsteinbau und ist heute Privatbesitz. Wir gehen zur Jahnstraße, das ist die Kreisstraße 1. Dort gehen wir links, überqueren die Südstraße und folgen rechts der Hardtstraße bis zur Gudula-Kirche.
An der Gudula-Kirche liegt unsere Bushaltestelle, ab der wir mit dem Bus zum Startpunkt zurückfahren können. Aber halt: Einerseits haben uns die gewanderten sieben Kilometer wohl kaum aus der Puste gebracht, andererseits ist das 19.000 Einwohner zählende Städtchen viel zu interessant, um es so schnell wieder zu verlassen. Wenn wir vor der Gudula-Kirche stehen, können wir auch hineingehen. Diese neugotische Hallenkirche (1898 bis 1901 erbaut) ist innen bis auf Orgelbühne und Orgel erhalten geblieben, dazu auch der Fliesenboden im Chorbereich und die Kachelverkleidung des Langhaussockels.
In nächster Nähe (Markt 14) ist zudem das Medizin- und apothekenhistorische Museum (geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 12 und von 15 bis 18 Uhr). Das 1993 eröffnete Museum in einem Bürgerhaus zeigt auf drei Etagen die vielfältigen Aspekte des ländlichen Gesundheitswesens. Wer sich dabei beispielsweise im Dachgeschoss mit der Entwicklung der Zahnmedizin seit 1850 beschäftigt, geht heutzutage äußerst gerne zu seinem Zahnarzt.
Und vergessen wir nicht das nahgelegene Wasserschloss Haus Rhede mit dem Nacherholungsgebiet Rheder-Busch. Aus dem 16. Jahrhundert stammt das Haus Rhede, ein zweiflügeliges Renaissanceschloss. Das Wasserschloss besitzt einen hohen kulturellen Wert als bemerkenswertes Beispiel der deutschen Renaissanceschlossarchitektur. Die Anlage ist von einer doppelten Gräfte und einem weiträumigen Park umschlossen. Das Schloss ist der Sitz der Fürstlich Salm-Salm'schen Verwaltung.
Einen eigenen Ausflug ist die Natur um Rhede wert: Da gibt es das abgetorfte Hochmoor Vardingholter Venn, das trotzdem die Pflanzen- und Tierarten für solch ein Moor aufweist und eine hohe biologisch-ökologische Bedeutung hat, da es Brut- und Lebensräume für Sumpfohreulen, Brachvögel und Birkhühner bietet. Da gibt es im Süden die Büngerner/Dingdener Heide, im dem seltene Tier- und Pflanzenarten noch beheimatet sind. Ein groß angelegtes Feuchtwiesenprogramm sowie Heide- und Waldlandschaft geben diesem Gebiet seinen Charakter. Aber wie gesagt: Das ist ein anderes Kapitel.
Fahrpläne sind im Internet unter www.westfalenbus.de einzusehen. Sie können die Fahrpläne auch telefonisch erfragen: unter der kostenpflichtigen Service-Nummer 01803 – 50 40 30.
Sie können die Wanderung vorab am PC planen. Dazu gehen Sie zu www.stadtplan-muensterland.de, dort finden Sie alle Wanderwege des Westfälischen Heimatbundes, auch zum Ausdrucken. Experimentieren Sie ein wenig mit diesem Stadtplan, der die Wanderwege im Stadtplan zeigt, in Google Maps oder in Google Earth. Ein besonderer Service: Sie können alle Wanderwege des Westfälischen Heimatbundes für Ihr GPS-Gerät herunterziehen.
Weitere Informationen rund um das Wandern im Münsterland gibt es beim Westfälischen Heimatbund in Münster.
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