Die geisterhafte Jagdgesellschaft
Die Davert, die noch heute eines der größten Waldgebiete in Nordrhein-Westfalen ist, hatte zu früheren Zeiten noch deutlich größere Ausmaße als heute und war Ausgangspunkt und Spielort unzähliger Geschichten und Legenden. Eine von ihnen rankt sich um eine mächtige Burg, die inmitten der Davert stand, die Davensburg.
Vor langer Zeit lebte auf dieser Burg ein mächtiger und grausamer Ritter, der für sein ausschweifendes Leben und den allzu oft brutalen Umgang mit seinen Bediensteten und Lehnsherren weit über die Davert hinaus berüchtigt war. Einige erzählten sich sogar unter vorgehaltener Hand, wenn sie den Blick ängstlich nach links und rechts hatten schweifen lassen, er stehe gar mit dem Teufel im Bunde.
Als rechter Müßiggänger liebte der raue Mann das Feiern ebenso wie das Jagen, das eine seiner Hauptbeschäftigungen war. Oft durchstreifte er mit seinen Helfershelfern und deren Meute und lautem Hallali und Jagdhornschall die Davert und erlegte so manches wilde Tier. Nicht selten zwang er sogar die Bauern der umliegenden Orte, ihm bei der Jagd als Treiber zu dienen und nicht wenige von ihnen litten darob große Not, weil sie zu selten dazu kamen, die eigenen Felder zu bestellen.
Eines Jahres kam es dem gottlosen Manne gar in den Sinn, am Ostersonntag zur Jagd zu rufen. Seine engsten Vertrauten, die weniger skrupellos waren, warnten ihn eindringlich, diesen hohen Feiertag nicht zu entheiligen, doch er lachte nur ob ihrer Bedenken und rief laut aus: „Hah! Ein Feiertag ist’s für mich nur, wenn ich heute einen Hirsch erlege und ihn noch heute Abend verspeisen kann! Gelingt’s mir nicht, will ich nicht ins Himmelreich kommen!“.
Und so trommelten seine Gefolgsleute die Jagdgesellschaft zusammen und mit Pferden und der Hundemeute ging es in die Davert. Doch so sehr die Treiber auch suchten, so oft die Gesellschaft auch durch die Wälder streifte und so schnell die Hunde auch liefen, bekamen sie doch nicht mal einen Hasen zu Gesicht, geschweige denn einen Hirsch.
Was dann geschah, als sich die Nacht langsam über die Davert senkte und Vollmondlicht auf die Wipfel der Eichen fiel, das weiß niemand so genau. Doch so viel ist sicher: Der Burgherr und seine Gefolgschaft verließen die Davert niemals mehr und waren auf alle Zeiten zum Jagen verdammt. Und wer sich heute in der Nacht der Davert nähert und einen Moment lauschend innehält, der kann aus weiter Ferne noch immer das Jagdhorn dieser geisterhaften Jagdgesellschaft vernehmen.
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