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Der böse Baumgeist

Der böse Baumgeist

Sagenhaftes Münsterland|Der böse Baumgeist

Die Davert hat die Menschen im Münsterland in allen Zeiten fasziniert. Doch nicht Jeder begegnete dem großen Waldgebiet mit ehrfürchtigem Respekt. Manch einer, so berichtet uns diese alte Geschichte, hat das bitter bereut.



  • Sagenhaftes Münsterland|

Unweit von Ottmarsbocholt steht ein altes Bauernhaus, in dem viele Dielen und allerlei andere Hölzer verbaut worden sind. Einige der Bäume, die für den Bau verwendet wurden, hatte der Bauer eigenhändig in der Davert geschlagen, wovon ihm viele seiner Freunde, die die Gegend besser kannten als er selbst, dringend abgeraten hatten.

Denn die Davert war zu früherer Zeit ein noch wesentlich größeres Waldgebiet als sie es heute ist – und ein unheimliches obendrein. Denn alle bösen Geister der Region, derer die Menschen Herr werden konnten, wurden in diesen Wald verbannt und man erzählte sich, dass sogar der Teufel selbst hier gelegentlich gesehen worden sein soll. Der Bauer jedoch gab nichts auf die Geschichten der Alten und schlug weiter Bäume aus der Davert und vollendete schließlich sein Häuschen und konnte mit seiner Familie alsbald dort einziehen.

Doch die Familie hatte nicht lange Freude an ihrem neuen Häuschen. Denn ein Geist trieb sein Unwesen auf dem Hof. Oft wenn die Frau morgens nach den Kühen sehen wollte, hatte der Geist einem der Tiere den Hals umgedreht oder einem Kalbe die Füße mit Stroh aneinander gebunden und es im Stalle aufgehängt. Auch lärmte er nachts auf dem Boden und in der Küche, warf Stühle, Töpfe und anderes Gerät durcheinander und ließ keinen schlafen. Wer um Mitternacht vorn aus der großen Tür ging, der bekam eine tüchtige Ohrfeige, und es wurden ihm die Augen dergestalt verblendet, dass er das Haus nicht wieder finden konnte und in der Gegend umherirrte, bis der Morgen anbrach.

Nun suchte der Bauer doch den Rat der Alten und Weisen im Ort und sie gaben ihm zu verstehen, dass er vermutlich mit einem der Bäume auch einen Geist aus der Davert mit nach Hause gebracht hätte und der Geist nun das neue Häuschen vermutlich als sein eigenes Zuhause betrachten würde.

Was der Bauer in den nächsten Wochen auch unternahm, um den Geist zu vertreiben, blieb fruchtlos. Selbst die redlichen Versuche des Priesters, den er eigens aus Münster hatte anreisen lassen, blieben ohne Erfolg und so blieb der Familie schließlich nichts anderes übrig, als aus ihrem Haus wieder auszuziehen.

Ungezählte Jahre blieb das Haus daraufhin unbewohnt. Heute sollen dort wieder Menschen wohnen und der Geist längst alt und träge sein. Nur ganz selten, wenn ihn die alte Bosheit wieder packt, wartet er noch vor der Haustüre auf jemanden, der das Haus verlässt oder es passiert und verpasst ihm oder ihr eine schallende Ohrfeige und zieht sich dann leise kichernd wieder in das Gebälk zurück.


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